18. Juni 2019
von Thomas Will
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Länger als ein Tag im Radlerdress

21. Tag, Dienstag, 18. Juni 2019

Wir haben schon viele Zielankünfte erlebt, schon viele späte Etappenabende, schon viele unterschiedliche Abendessen – aber unsere Ankunft auf Malta sollte etwas Besonderes werden. Aber der Reihe nach. In Caltagirone fühlten wir uns richtig wohl. Ganz frischer Orangensaft zu Frühstück.

Wir wollten eigentlich überhaupt nicht losfahren, wobei loslaufen wohl der bessere Begriff gewesen wäre. Gleich zwei Mal mussten wir Anstiege von bis zu 15% bewältigen – wenn auch nur kurz, auf jeweils einem Kilometer, aber es reichte um nach einer Stunde bereits wieder triefend nass zu sein. Duschen warum? Dann lief es. Wir kamen nach Comiso und machten bei Kilometer 39 erst mal eine vorgezogene Mittagspause. In der brütend heißen Sonne nahm dann auch wieder der Verkehr zu. Auto an Auto drängte sich an die Südküste, die wir bei Marina di Ragusa erreichten. Noch zehn Kilometer und erst einmal eine Eispause. Die letzten Kilometer auf Sizilien. Auf der Schnellstraße nach Pozzallo. Kurze Stadtrundfahrt und danach: warten, warten.

Unsere Fähre nach Malta legte erst um 21.30 Uhr ab. Wir machten in einer Pizzeria am Strand Station „Di Stefano“ sprach ein wenig deutsch und wir konnten an dem schattigen Platz ein wenig entspannen. Ein kleines Abendessen war angesagt – leider kamen nicht alle Portionen – und dann auf einmal Hektik. Ein kroatischer Radler hatte uns auf die Check-In-Time der Fähre hingewiesen: 20 Uhr. Also nichts wie hin. Wir staunten nicht schlecht. Check-In-Time war nicht 90 Minuten vor Abfahrt, sondern nur 30. Gut zu wissen für die Rückfahrt. Mit dem Fahrradträger war unser Bus länger als 6 Meter. Das kostete Aufpreis. Zwar waren es nur 15€, aber bis der Rechenprozess zu Ende war sollte dauern. Dann auf die Fähre. Ganz modern. Räder angurten und nach oben. Jetzt knapp zwei Stunden bis nach Malta.

Mit ein wenig Verspätung kamen wir um 23.40 Uhr im Hafen an. Was jetzt kam und in den neuen Tag hineinwirken sollte – davon im Mittwochsbericht mehr. Trotz allem. Wir kamen um 0.50 Uhr in der Loggia Mariposa an und wurden freundlichst empfangen. Uwe hatte uns sicher durch den Linksverkehr geführt. Noch eine Steigung. Schwitzen nach Mitternacht, so wie früh morgens um 9 Uhr.Ab ins Bett. Natürlich nach der Dusche. Ein Glas Wasser, Klaus wollte noch ein Bier und dann war Zeit die Gedanken ein wenig zu sortieren. Einschlafen sollte diesmal ein wenig dauern.

108,6Kilometer – 6.33 Stunden auf dem Rad – 16,55km/Schnitt – 866 Höhenmeter – 449m am höchsten Punkt – 49,1km maximal – ca.2.200 Kalorien

 

 

 

 

17. Juni 2019
von Thomas Will
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Schafe, ein Bach und eine gesperrt Autobahn

20. Tag, Montag, 17. Juni 2019

Der Tag begann so wie er endete: mit einem Gefälle von 10 Prozent. Dazwischen lagen knapp 120 Kilometer in der sengenden Sonne Südsiziliens. Uwe schlug nach dem Frühstück vor die ersten Kilometer „alternativ“ zu fahren – ein paar Kilometer mehr, dafür aber weniger steil in der Abfahrt und damit mehr Genuss. Eine gute Idee.

Schon bald kletterten wir aber wieder nach „oben“. Serradifalco ließen wir rechts liegen – nur Stephan nicht. Er hatte sich an den Hinweis gehalten ins Ort zu fahren. Nun gut – es wurde wärmer und eine Herde Schafe (ohne Schäfer) kreuzte unseren Weg. Davon ließen wir uns aber nicht aufhalten. Auch nicht von den Verkehrswidrigkeiten rund um Caltanissetta. Die Abfahrt auf der vierspurigen Schnellstraße brachten wir ebenso hinter uns, wie die folgende Straßensperrung: wir ignorierten sie einfach und hatten auf sechs Kilometer die Straße für uns. Warum? Weil sie dringend saniert werden muss.

Friedhelm fuhr „Besen“ Zuerst in einer sehr eigenen Interpretation, dann in der der Euroradler. Mittagspause in Pietraperzia – wir kamen gut voran. Dann aber: Hitze, Hitze, Hitze. Wir fuhren gegen eine Wand aus heißer Luft. Sieben Liter Wasser wanderten aus meinen Trinkflaschen in meinen Mund. Radfahren geschah mehr im Unterbewusstsein. Vor uns eine Brücke. Hier mussten wir eigentlich rechts ab. Ein paar Radler hatten das Roadbook wohl nicht gelesen (oder dabei) und „bretterten“ durch. Die anderen warteten unter einem Baum. Was tun? Weiterfahren – telefonieren? Wir entschieden uns für die zweite Variante. Nach ein paar Minuten waren wir wieder komplett. Also – weg von der Straße. Feldweg. Ein Bach.

Keine Brücke. Durch. Fahren. Waten – irgendwie. Jetzt zurück auf die Straße. Vielleicht wäre die andere Variante doch die bessere gewesen. Also gut. Bergab und Kaffeepause in San Michele. Räder abstellen. Abschließen? Lenkertasche mitnehmen? Handy aus der Halterung nehmen? – Nein!!! Der Durst ist stärker. Und: natürlich passiert nichts. Draußen sitzen ein paar ältere Männer (wohl jünger als wir) – einer hat bei Bosch in Deutschland gearbeitet. Wir kommen ins Gespräch – müssen aber weiter. Noch 18 Kilometer. Caltagirone. Für die tolle Stadt haben wir keine Zeit mehr. Die Dusche ist heute wichtiger. Und: wir bekommen unsere Trikots doch gewaschen. Die Schwiegermutter unserer jungen Wirtin hat eine Waschmaschine zu Hause und holt sie ab. Dank an Conny für die Vermittlung. Wir wollen doch an unserem letzten Tag auf Sizilien nicht am Geruch erkennbar sein.

118,9Kilometer – 7.06 Stunden auf dem Rad – 16,71km/Schnitt – 1.628 Höhenmeter – 782m am höchsten Punkt – 53,5km maximal – 2.429 Kalorien

16. Juni 2019
von Thomas Will
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Schieben und Mücken

19. Tag, Sonntag, 16. Juni 2019

Für ein paar Flaschen Wein aus Santa Cristina musste im Bus noch Platz geschaffen werden, dort wo auch schon die Päckchen mit dem original sizilianischen Espresso liegen. In dem tollen Weingut, unweit von Palermo lässt sich auch länger als nur ein Tag Urlaub machen. Wir „durften“ es nicht, denn unsere Inseltour ging auch am Sonntag weiter. Die ersten fünf Kilometer hatten es in sich. Feldwege – teilweise mit Steigungen und Gefälle von bis zu 15%, unbefestigte Stellen, Sand und Dreck auf wem Weg – und dazwischen sogar Autos, die von einem Hof zum anderen fuhren.

Dazwischen die Euroradler – und hätte man uns nach einer Stunde gefragt, wann wir ankommen werden, dann wären die Prognosen so um die Zeit von 21 Uhr geschwankt. Dann war auch noch der Reifen von Klaus platt. In Marineo (dort liegt das Oberdorf 200 Meter über dem Unterdorf) kamen wir in eine Prozession und danach ging mit Fahren (fast) nichts mehr. Steil – 16% – Wahnsinn. Schieben. Wann werden wir ankommen. Klaus hatte den zweiten Platten. Getränke nachfüllen in einer Pizzeria. Rudi gab die Runde aus (Danke) – es waren aber (leider) mit die teuersten Wasserflaschen auf Sizilien. Schweizer Preise – 1.000km südlich? Jetzt lief es aber. Die Hauptstraße von Palermo in den Süden der Insel, vor der ich bei der Planung richtig „Bammel“ hatte, erwies sich als Glücksgriff. Zuerst einmal 15km begab. Mittagspause an einer Tankstelle. Klasse. Kleine Pizzateilchen und belegtes Weißbrot – super nett und freundlich. Weiter. Jetzt bergan. Kaum ein Auto. Wir kamen gut durch die Baustellen und nach gut 90 Minuten waren wir „oben“. Jetzt 20 Kilometer bergab – nur unterbrochen durch die Kaffeepause mit leckerem Kuchen. Aber die Krönung sollte noch kommen. Auf 7 Kilometern hinauf nach Mussomeli. Von 345 Metern Seehöhe auf 820 Meter. Sonne, Steigung, Mücken – wir kämpften uns nach oben. Die Straße war eigentlich für Fahrräder gesperrt. Warum? Keine Ahnung.

Unser „Besen“ Stephan, der heute Schwerstarbeit leistete, rief nach dem Bus. Nicht für sich. Petra sollte von den Strapazen der letzten Kilometer erlöst werden. Also setzte sich Karsten in Bewegung. Um es kurz zu machen: so um die 18 Uhr kamen wir alle in Mussomeli an. Von Bergen, Steigungen (und natürlich Mücken, die in jede Körperöffnung fliegen) haben wir erst einmal genug. Aber morgen „müssen“ wir noch einmal.

88,8Kilometer – 6.19 Stunden auf dem Rad – 14,02km/Schnitt – 1.783 Höhenmeter – 811m am höchsten Punkt – 58,6km maximal – 2.447 Kalorien