25. Mai 2015
von Thomas Will
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Alles gut – wir sind in Fes

13. Tag,  Montag, 25.. Mai 2015   – Ketama  – Fes

Wasser MontagDas Abendessen kam noch. Dafür, dass wir bis fast ½ 11 Uhr (abends) warten musste, schmeckte es uns sehr gut. Die Nacht wurde von dem Gebell der Hunde beendet und wir machten uns „fertig“. Es gab kein Wasser! Wir mussten uns „behelfen“. Duschen, rasieren, …… (fast) alles musste ausfallen. Und das Frühstück. Für 7 Uhr war es uns fest zugesagt. (Natürlich) war nichts da. Nur die Reste des Vorabends standen noch auf dem Tisch. Wir warteten – losgehen muss es pünktlich um ½ 9 – wir haben 145 Kilometer bis nach Fes. Aber: zumindest drückt sich die Sonne durch die Wolken. Und dann kam es doch noch: Eier, Brot, Marmelade, Wurst, Honig – wir konnten uns richtig satt essen und schafften es sogar pünktlich auf die Räder. Jetzt ging es erst einmal bergab. Links und rechts „Ackerbau“  der besonderen Art und immer wieder eindeutige Angebote. Mit der Höhe nahmen diese ab, die Temperatur zu und zum ersten Mal konnten wir so etwas wie Sommer spüren. In Tauunate (bei Kilometer 66) überraschte uns ein Regenschauer, aber wir waren clever: Mittagsrast. Pommes, gegrillter Fisch, Salat, Brot – wir wurden richtig satt. Dazu noch ein Kaffee und weiter ging es in rasanter Fahrt Richtung Fes.

Melone MontagWir machten richtig Kilometer. Das Thermometer kletterte auf 29° (zur Erinnerung: gestern waren es 5,9) und wir merkten jetzt auch die zu fahrenden Höhenmeter an der Anzahl der Schweißtropfen. Ein rustikaler Kaffeestopp und schon waren wir (fast) in Fes. Mit Hilfe einer großen Gruppe Kinder fanden wir unser Riad, konnten alle Räder sicher und stilvoll im Innenhof abstellen, gleich neben der gedeckten Tafel. Herbert und Lysiane hatten wieder einmal ganze Arbeit geleistet. Nicht nur, dass unser Gepäck bereits im Riad war, Herbert organisierte den passenden Wein und sogar ein Bier.  Wir fühlen uns unendlich wohl. Wir lassen die Hektik hinter der Tür. Es ist einfach nur (alles) gut. Jetzt haben wir einen Tag ohne Sattel und Fahrrad. Morgen werden wir in das Leben der Stadt eintauchen.

Abendessen MontG

146,2 Kilometer, 19,0 km Durchschnitt, 68,8 km im Maximum, 7.40 Stunden, 1.391 Höhenmeter, 1.309 Meter am höchsten Punkt, 1.902 Kalorien

 

 

 

 

24. Mai 2015
von Thomas Will
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Island in Marokko – oder: wieviel Frauen hast du?

12. Tag,  Sonntag, 24.. Mai 2015   –  Chefchaouen – Ketama

Auf Strecke SonntagDie Zahlen wurden immer niedriger, wenn Stephan auf die Temperaturanzeige auf seinem Fahrradtacho schaute: 5,9° C waren es am Nachmittag gegen 17 Uhr – damit keine Missverständnisse auftreten: die Euroradler befinden sich nicht auf Island oder dem Weg zum Nordkap sondern in Marokko. Der Tag hatte verregnet begonnen. So richtig Lust zum Bewältigen der 116 Kilometer hatten die wenigsten von uns – Carmen und Caro leisteten Herbert und Lysiane im Bus Gesellschaft und schauten sich noch mal ausgiebig Chefchaouen an. Die „blaue Stadt“ ist wirklich einen Besuch wert, wir hatten am Abend davor aber kaum Zeit. Für die Radler ging es erst einmal bergab – hinunter zur N 2 – und dann begann die Klettertour. Ein erster Kaffee in Bab Taza und dann weiter bergauf. Irgendwo zwischen Khamis Diq und Bab Berrad packte uns der Hunger.

Am Tisch Sonntag Ein paar kleine Geschäfte am Straßenrand – Brot gab es im Überfluss, dazu ein wenig Käse und die Frage ob wir auch Fleisch dazu wollen. Unschlüssige Gesichter. Man kannte ja die Hinweise aus den Reiseführern. Dann aber überwog die Neugier: „Ja“ – Eineinhalb Kilo Fleisch – durch den Wolf gedreht, dazu ein paar Zwiebeln und alle möglichen Kräuter – heraus kamen kleine „Hackwürstchen“ – und diese direkt auf den Grill. Nach ein paar Minuten standen sie auf dem Tisch. Wer greift zuerst zu? Kurzes Zögern – ein erster Biss – schmeckt – gut – und in wenigen Minuten war die Platte leer. Gerne hätte man uns hier im Rif noch ganz andere Sachen verkauft – aber das sollte noch kommen. Wir kletterten weiter: die Sonne besiegte die Wolken und wir waren guten Mutes. Aber: binnen Minuten zog sich der Himmel zu. Nebel. Es wurde kalt und kälter. Die Lust war dahin – und wir hatten noch 40 Kilometer. Dann endlich „Ketama“. Jetzt ist uns klar, warum in den Reiseführern davor gewarnt wird. In den wenigen Minuten, die wir an einer Kreuzung stehen mussten hätte man uns gerne „eingeladen“ – aber das waren noch die harmlosesten Angebote. Warum man nur eine Frau zu Hause habe, stieß auf völliges Unverständnis. Dafür haben wir gelernt, dass der „Berberbegriff“ für Hand Fuß heißt. Trotz der Kälte wurde uns ein wenig warm und wir kurvten bei eisiger Kälte zu unserem Hotel, wo man uns (trotz Buchung und Bestätigung vor wenigen Tagen) gar nicht erwartete. Aber auch dieses Problem konnten wir binnen Minuten lösen. Mal sehen, ob es jetzt noch was mit dem Abendessen wird – bestellt und bestätigt war es – aber was heißt das schon.

116,6 Kilometer, 13,8 km Durchschnitt, 56,6 km im Maximum, 8.25 Stunden, 2.188 Höhenmeter, 1.690 Meter am höchsten Punkt, 2.667 Kalorien

 

23. Mai 2015
von Thomas Will
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Alles ist anders als in Frankreich

11. Tag,  Samstag, 23. Mai 2015   – Tanger – Chefchaouen

Ankunft MarokkoDas Gerücht wird zur Wahrheit – die Fähre legt früher in Tanger an. Schon um 9.30 Uhr werden die großen Taue ausgeworfen. Und dann beginnt die ganz normale Fährenausfahrhektik, die man aus allen Häfen Europas kennt. Mit einem Unterschied: wir sind in Afrika. Die ersten Meter mit dem Fahrrad auf einem neuen Kontinent. Wir haben es wirklich geschafft. Damals in Istanbul, als wir über die Brücke nach Asien wollten, sind wir noch gescheitert. Jetzt hält man uns nicht mehr auf. Auch die Grenzer sind freundlich, wir kommen schnell aus dem Hochsicherheitstrakt Hafen und radeln sieben Kilometer nach Westen. Beim Blick nach rechts immer noch Europa im Blick. In Ksar treffen wir Jörg, Caro, Karsten, Joachim und Stephan, die nach Marokko geflogen sind. Die Räder werden ausgepackt, der Anhänger bleibt dort, und um kurz vor 11 Uhr kann es schon losgehen. An den Verkehr gewöhnen wir uns schnell, hoffen, dass er bald nachlässt – was sich dann aber als Trugschluss herausstellt. Wir machen zwar schnell Kilometer, die kosten aber Kraft. Nicht nur die Hügel, auch der Gegenwind macht uns zu schaffen. Nach 50 Kilometern „Rast“. Ein Sandwich mit Pommes – unser erstes Essen in Marokko. Wasser nachfüllen und weiter. Jetzt bewölkt sich der Himmel. Regen? Ja! Wir werden aber nicht richtig nass. Stellen uns an einem kleinen  Laden unter. Es gibt zwar keinen Kaffee, dafür aber Kuchen. Unsere Gruppe ist dezimiert: Joachim konnte erst gar nicht mitfahren, sein Gepäck war nicht im Flieger dabei – es kam einen halben Tag später. Er leistete Lysiane und Herbert in Bus Gesellschaft. Später kam noch Caro dazu, deren Knie dem marokkanischen Gegenwind nicht mehr trotzen wollte. Gerhard hatte sich auch aus dem Staub gemacht. Dafür gab es am Abend den obligatorischen Anpfiff. Nun gut. Der letzte Anstieg. Hinauf nach Chefchaouen. Eine kurze Tour durch die Stadt. Wir sind da. Tolle Zimmer. Caro und Herbert haben das Abendessen organisiert. Langsam klingt der Tag aus. Wir sind in Marokko eine Stunde gegenüber der europäischen Zeit zurück – das ist der kleinste Unterschied.

111,2 Kilometer, 14,6 km Durchschnitt, 58,3 km im Maximum, 7.35 Stunden, 1.597 Höhenmeter, 668 Meter am höchsten Punkt, 2.172 Kalorien