Bis das Reh kam ……..

10. Tag, Donnerstag, 25. Mai 2017 – Motola – Örebro

Wir konnten ab 6.30 Uhr frühstücken, in unserem Hotel in Motola kam man uns entgegen, denn an einem Feiertag beginnt das Buffet eigentlich erst eine Stunde später. Ein Bild vor dem Hoteleingang und dann ging es los. Strahlender Sonnenschein, leichte Wellen und ab zum Götakanal.

Gut 15 Kilometer auf unbefestigter Strecke entlang einem technischen Meisterwerk. Entspannung pur. Per Telefon orderten wir unser Mittagessen in Tjällmo – bei Kilometer 67. Wir kamen, trotz ein paar giftiger kleiner Anstiege ganz gut voran und wären eigentlich kurz nach ½ 1 Uhr da gewesen. Wenn nicht: ein Reh unseren Weg gekreuzt hätte. Alles hat es schon gegeben: zwei Radler kommen mit ihren Packtaschen aneinander und stürzen, ein Auto erfasst einen von uns, ein Absperrpfosten – und die Fahrt ist zu Ende; aber dass ein Reh einen von uns vom Fahrrad holt, das hatten wir noch nicht. Bis heute in Schweden. Ich rede mit Andreas über das Baugebiet im Hessenring und die Baupreise, schaue auf die Uhr und sehe, dass wir den letzten Kilometer in 2.56 Minuten gefahren sind – und dann wird es dunkel – bis Josef neben mir sitzt und mit mir redet. Zwei Männer, die ich nicht kenne fassen mich an den Füßen an und fragen mich etwas in englischer Sprache. Ich brauche ein paar Minuten (oder war es länger) um die Situation zu realisieren. Ein Reh ist mir von rechts ins Rad gesprungen und hat mich umgerissen. Josef hat mit den Helm geöffnet und die beiden Fremden, die sich später als Sanitäter der schwedischen Armee outen, prüfen was mit mir geschehen ist. Weiterfahren geht so nicht (die Vernunft siegt). Außer ein paar Schrammen am Arm scheint aber noch alles heil zu sein. Die beiden Sanitäter verfrachten mich in ihr Auto, Carmen kommt mit – die Räder auf einen anderen Jeep und ab ins Krankenhaus. Die Gruppe setzt ihre Tour fort, isst Mittag, macht eine Eispause und hat später Pech mit zwei Platten und einer verlorenen Schraube. Aber alle kommen gut. Im Krankenhaus werde ich sehr zuvorkommend behandelt. Reaktionen werden überprüft, ein Bluttest und ein CT gemacht und nach vier Stunden ist alles klar: ich darf weiterfahren. Der Arzt bestellt uns sogar ein Taxi und dann geht es nach Örebro. Der Taxifahrer bringt uns unterwegs die Landschaft und sein Land näher und wir freuen uns auf das Abendessen. Josef und Joachim nehmen sich meinem geschundenen Fahrrad an, die Radler haben mir als kleines Trostpflaster eine Tafel Schokolade aufs Bett gelegt und so langsam beginnt wieder Normalität in den Euroradleralltag einzukehren. Gut, dass es kein Elch war.

65,5 (146,0) Kilometer, 297 Höhenmeter, 3.43 Stunden auf dem Rad, 17,55 km im Durchschnitt, 40,4 km Höchstgeschwindigkeit, Höchster Punkt: 144 Meter, 1.434 verbrauchte Kalorien

 

 

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