9. Juni 2009
von Thomas Will
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Tag 21 – Traumhafte Landschaften in der Sonne, die nördlichste Brauerei der Welt und Fußball spielende Rentiere

Die Fahrräder waren verpackt, alle Radlerhosen und Shirts in den Satteltaschen verstaut und damit war klar: die Euroradler haben bis zum übernächsten Montag Urlaub von Sattel und Pedale. Das bedeutet aber nicht, dass unsere Nordkaptour vorüber ist – ganz im Gegenteil. Für Gerhard und mich klingelte der Wecker bereits um 4.30 Uhr, denn pünktlich um 5 Uhr hieß es: Abfahrt nach Honningsvag. Dort wartete die „Kong Harald“ auf unser Gespann, um es mit nach Bergen zu nehmen. Wir selbst kommen einen Tag später mit der „MS Lofoten“, dem ältesten und kleinster Hurtigrutenschiff nach (das aber keine Autos mit an Bord nehmen kann). So schoben wir den Anhänger an Bord, stellten unseren „Arena“ dazu und verabschiedeten beide mit den besten Wünschen und der Hoffnung sie im Hafen von Bergen wieder zu treffen. Beim gemeinsamen Frühstück konnten wir uns Zeit lassen. Keine 150 oder mehr Kilometer lagen mehr vor uns, kein schweißtreibender Berg oder Angstschweiß erzeugender Tunnel war auszumachen und so konnten wir den Tag entspannt genießen. Ein Ausflug in das Fischerdorf Honningsvag – ein Besuch im Museum oder der nördlichsten Brauerei der Welt – zeigte uns, dass es neben dem biken noch andere schöne uns interessante Sachen gibt. Während unserer Tour hätten wir uns zur Mittagszeit kein Bier erlaubt, jetzt waren es auch schon mal zwei …….. – und überall wo wir uns zeigten zogen unsere Radjacken die Blick auf sich (und damit uns). Ein Ehepaar aus Düsseldorf (auf Nordland Kreuzfahrt unterwegs) bestaunte nicht nur unsere Tour, sondern auch die der Vorjahre (Jochen musste mit seiner Jacke als Liftaßsäule fungieren) und verglich uns und unsere körperliche Erscheinung mit der ihrer Mitreisenden. Der Vergleich fiel durchaus gut für uns aus.
Strahlender Sonnenschein am Nachmittag lockte zu Spaziergängen und Panoramafotos, zu der ein oder anderen Tasse Kaffee und frischen Waffeln oder zum Besuch eines ganz besonderen Fußballspiels. Der Sportplatz in Skarsvag gehört nämlich nicht nur den Männern und Frauen, sondern auch den Rentieren.
Schon jetzt breitet sich aber so etwas wie Abschiedsstimmung aus. Jörg, Stephan, Joachim („Joschi“) und Harald fliegen am Mittwoch nach Deutschland zurück. Durchaus mit gemischten Gefühlen – und die haben nicht nur etwas mit Abschiedsschmerz zu tun. Für die übrigen Euroradler geht es weiter auf der Hurtigrute nach Süden – und für die beginnt der Tag dann auch um 4.30 Uhr.

9. Juni 2009
von euroadmin
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Finale

Lapplands wilde Rentierherden
folgen uns in schnellen Lauf.
Wer wird hier wohl Sieger werden?
Schließlich geben sie es auf.

Schotterpiste durch die Taiga,
hin zu schneebedeckten Höh´n.
Traummotive für die Leica –
doch wir bleiben selten steh´n.

Nein, wir dürfen nicht verweilen,
denn sonst kommen wir zu spät,
und wir werden nordwärts eilen,
bis es nicht mehr weiter geht.

Langsam fällt das Thermometer,
es wird kälter jeden Tag,
und allmählich fragt sich jeder,
wie das wohl noch enden mag.

Selbst im dichten Schneegestöber
sind die Radler nicht verzagt.
Man zieht einfach noch was „dröber“ –
weiter geht die wilde Jagd.

Immer weiter ohne Pause,
fast, als wär´n wir auf der Flucht,
mit ´ner flotten Abfahrtssause
durch die imposante Schlucht.

Und schon grüßt das kühle Eismeer.
Baden geht nicht – das war klar.
(Man muss nicht um jeden Preis her,
doch nun sind wir halt mal da.)

Gastlichkeit im Land der Samen,
und die ganze Nacht bleibt´s hell.
Alle, die bis hierher kamen,
sie vergessen´s nicht so schnell.

Und zum Schluss, am letzten Tage:
Welch ein Glück, die Sonne strahlt,
und beschert nach all der Plage
Fjordlandschaften wie gemalt.

Nach dem Tunnel, auf der Insel
geht´s noch einmal steil hinauf –
bei verhaltenem Gewinsel:
„Hört die Qual denn niemals auf?“

Jetzt ein letztes Stück noch rollen,
bis man stolz am Nordkap steht,
wo es dann – selbst wenn wir wollen –
wirklich nicht mehr weiter geht.

8. Juni 2009
von Thomas Will
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Tag 20 – Nordkap in der Sonne

12 Uhr -Aktuell:
Wir sind da, wir haben es geschafft. 2.518 Kilometer sind wir geradelt. Jetzt stehen wir am Nordkap, dem nördlichsten Festlandspunkt in Europa. Wieder einmal haben wir ein Ziel, das wir uns gesteckt haben – gemeinsam -erreicht.

Jetzt haben wir unser Ziel erreicht. Das Nordkap – in norwegisch mit zwei „pp“ ist geschafft, ohne dass es uns geschafft hat. Wir starten in Skarsvag und mühen uns die letzten 350 Höhenmeter nach oben. So manchem von uns fällt es schwer. Trotzdem, wir kommen gemeinsam an und die jungen freundlichen Norweger entschuldigen sich dafür, dass sie uns Radlern eine Maut abnehmen müssen. Ein Schweizer Ehepaar gibt uns den freundlichen Hinweis, dass es gestern hier schneite – jetzt scheint die Sonne. Die Mühe hat sich gelohnt. Wir fahren zum Aussichtspunkt – aber Aussicht hat man von überall. Bilder schießen. Alle sind Sieger. Sechs von uns haben eine ganz besondere Leistung geschafft. Sie sind von Bischofsheim bis zum Nordkap geradelt; Klaus „Maria“ sogar aus Eschenbach in der Oberpfalz, er hat noch mal 300 Kilometer mehr auf dem Tacho als wir. Jetzt können wir entspannen. Kaffee trinken, Salat essen – Jochen bringt ein Glas Sekt. Wir stoßen an. Gezweifelt wird jetzt nicht mehr. Ein weiterer „europäischer Rand“ gehört uns. Ein Journalist des NDR macht ein paar Aufnahmen. Nach vier Stunden machen wir uns auf den Rückweg. Zumeist geht es bergab. Ein paar Bilder von den Seen und den grandiosen Ausblicken. Jetzt haben wir eine Woche „Urlaub“. Na ja – morgen in aller herrgottsfrüh fahre ich mit Gerhard den Bus zur Fähre. Die Sonne an diesem Montag wird noch lange nicht untergehen.

Höhenmeter 645