31. Mai 2009
von Thomas Will
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Tag 12 – Schreck zur Mittagszeit

Eigentlich wollte ich heute die Geschichte von Klaus „Maria“ erzählen, der seine Windjacke im Hotel in Sukeva vergessen hatte. Oder die Geschichte vom „Packtaschen abwerfen“, die immer wieder geschieht wenn unser Begleitfahrzeug ankommt. Oder die Geschichte zum Joachim („Joschi“), der uns am späten Abend für eine Feier im September eingeladen hat. Oder die Geschichte von der Abkürzung, die uns schon nach 120 Kilometern nach Paljakka hätte bringen sollen.
Alle diese Geschichten müssen warten, denn es kam der Wind dazwischen. Nicht der Fahrtwind, den hatten wir heute lange auf der Nase. Nein, der Wind, der dafür verantwortlich war, dass um 13.21 Uhr mein Handy klingelte. Gerhard war dran und berichtete vollkommen unaufgeregt, dass unser Anhänger im Straßengraben liege und der „Arena“ schräg in der Böschung hänge. Ihm sei nichts passiert. Was jetzt. Wir änderten unsere Route und traten noch ein wenig fester in die Pedalen. Nach zwei Stunden und 15 Minuten hatten wir die 40 Kilometer geschafft uns konnten uns vergewissern was geschehen war. Eine Windböe hatte unser Gespann erfasst und in den Straßengraben gedrückt. Gerhard konnte „Gott sei Dank“ den Bus abfangen und so hat er nur zwei kleine Dellen und ein paar Kratzer – ist aber voll einsatzfähig, schließlich muss er ab Dienstag für unsere Begleitmannschaft zur Verfügung stehen. Auch der Anhänger hat auf den ersten Blick keine größeren Schäden. Die Kupplung ist aber verbogen und muss gerichtet werden. Also: Polizeiaufnahme, Abschleppdienst, Gepäck zurück an die Fahrräder – und dann machten sich Gerhard und Bernd (der hatte sein Rad in den Bus gestellt) mit auf den Weg zur Autowerkstatt. Natürlich hat die auch in Finnland am Pfingstsonntag geschlossen – und so werden wir erst am Montag erfahren, wann wir den Anhänger wieder abholen können. Die Unfallmeldung der örtlichen Polizei gab es auf einem kleinen Stück Papier – gleich in drei Sprachen. Und der Abschleppdienst konnte gleich noch ein zweites Auto mitnehmen, dies hatte es am Vormittag an der gleichen Stelle erwischt.
Fahrrad gefahren sind wir natürlich auch. Ziemlich weit und wieder eine ganze Menge an Höhenmetern – und alles erneut in der strahlenden finnischen Sonne, die uns gegen 5 Uhr weckt und gegen 23 Uhr ins Bett begleitet. Mit jedem Tag den wir weiter nach Norden fahren ist sie länger bei uns – das kann gerne noch eine ganze Weile so gehen.

Höhenmeter 893

30. Mai 2009
von Thomas Will
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Tag 11 – Gerhard ist da

Der erlösende Anruf kam um 8.35 Uhr. „Ich bin schon hinter Helsinki“ – meinte Gerhard am anderen Ende der Leitung. Er war mit Bus und Anhänger gut in Finnland gelandet und jetzt auf dem Weg zu uns. Wir machten uns bei herrlichem Sonnenschein auf den Weg nach Norden. Das Frühstück in Keitele verlieh uns Kraft, vor allem der Fisch am frühen Morgen macht schon Laune auf das Abendessen. Jetzt musste aber erst einmal geradelt werden. Schon nach 20 Kilometern mussten wir die Windjacken ausziehen – Sonnenmilch war angesagt. Die Sonne brannte schon am frühen Samstag und bei etwas Glück ist sie auch um 23 Uhr noch da. Überhaupt ist es schon ein wenig gewöhnungsbedürftig, wenn es spät abends einfach nicht dunkel werden will. Wir kamen gut voran. Hier ein Bild von einer Holzkirche, dort ein Schnappschuss in die Landschaft und schon waren wir kurz vor 13 Uhr in Ilsakmi, immerhin bei Kilometer 86. Jetzt war Pizzazeit. Wir stärkten uns – und das sollte nötig sein, wenn die letzten Kilometer auf der E 63 waren eine einzige Berg- und Talfahrt. Und da geht es am Sonntag weiter. Eine Kaffeepause – herrlich am See gelegen – und schon waren wir in unserem Motel. Räder putzen war angesagt – und dann bog er ein. Kurz nach 18 Uhr war Gerhard da. Mit dem großen Anhänger und unserem 60 PS-„Arena“, erprobt in Istanbul und Palermo und jetzt auf dem Weg zum Nordkap. Gerhard wurde herzlich empfangen. Karl-Georg bot ihm sofort einen Platz auf seiner Stube an und wir freuen uns auf das Abendessen, denn dazu gibt es heute (Dank Gerhard) einen guten Tropfen Wein.

29. Mai 2009
von Thomas Will
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Tag 10 – Karl ist weg

Der Tag begann mit Verzögerung. Jochen (aus Ginsheim) und Karl (von dem wird später noch zu berichten sein) kamen ein paar Minuten später zur Abfahrt. In Jyväskylä legten wir an einer Apotheke einen kurzen „Stopp“ ein (Harald suchte nach Augentropfen) und anscheinend sind Apothekenbesuche hochgradig ansteckend, denn gleich fünf Euroradler folgten ihm. So dauerte es eine knappe Stunde, bis wir die mittelfinnische Industriestadt verlassen hatten. Der Verkehr auf der nordwärts führenden Ausfallstraße war nicht zu unterschätzen, nahm jedoch mit jedem Kilometer ab. Wir kamen gut voran und waren nach gut 60 Kilometern schon in Konnevesi. Die Mittagsrast war typisch finnisch. Ein Buffet – mit Hackbraten, Kartoffen, Krautwickeln, Gemüse, Salaten und natürlich Brot und Kaffee – hatte für jeden von uns genug zu bieten um gut satt zu werden.
Und wer es dann zur Abfahrt immer noch nicht war, der konnte sich noch ein Eis genehmigen.
„Ich fahr dann schon mal vor“ meinte Karl, ihr holt mich ja bald ein“. Genau 13 Minuten später fuhren wir los. Wir fuhren und fuhren – von Karl war nichts zu
sehen.
In Vesanto war unsere Kaffeepause geplant. Bevor wir uns bei Apfelkuchen und Kaffee niederließen: der Griff zum Handy – „wo bis du Karl?“ – „13 Kilometer vor Vesanto!“ Die Lösung des Rätsels sollten wir eine ¾ Stunde später erfahren. Karl war falsch abgebogen, landete auf einer unbefestigten Straße und an einem See war dann Schluss. Also zurück. Und so war er nicht vor sondern hinter uns. Zur Folge hatte dies, dass er von dem Apfelkuchen nichts mehr bekam – sondern nur noch ein Kaffeestückchen (und das vom Vortag). Jetzt blieb er brav in der Gruppe und wir kamen mit allen 15 Radlern in Keitele, direkt am See an. Joachim (Joschi) hatte heute die Besenrolle übernommen und diese sehr frei interpretiert – aber daran lag Karls Ausscheren nicht. In Keitele wurden wir herzlich begrüßt. Derhi spricht hervorragend unsere Sprache, auch wenn sie es in Österreich gelernt hat und hilft uns bei der Organisation des Abendessens. Fisch und Fleisch, Gemüse und Kartoffeln, Salate und Obstsuppe mit Sahne und natürlich Kaffee. Ach ja – Bernd schaffft es auch an diesem Abend mit einem Besuch in der Sauna.