2. Juni 2009
von Thomas Will
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Tag 14 – Abschied von Willi und Peter – Lappland wartet

Wann ein neuer Tag beginnt und wann der alte endet lässt sich eigentlich ganz einfach bestimmen. Mit der Nacht endet der Tag – oder pünktlich um 0 Uhr schreiben wir ein neues Datum. Das gilt natürlich auch in Finnland. Nur – mit der Nacht, die den Tag beschließt wird es von Tag zu Tag schwieriger – sie kommt einfach nicht. So auch heute (oder gestern). Nach dem Abendessen (gegen 22 Uhr) hieß es warten auf Gerhard, Bernd und Harald, die mit dem Bus und dem Anhänger von der Werkstatt zurück kamen. Sie kamen – kurz vor 1 Uhr – es war noch hell, sie freuten sich auf ihr Abendessen (und ein Bier), aber eigentlich war es ja schon einen Tag später, also Zeit sich auf das Frühstück vorzubereiten oder zumindest zu schlafen. Aber irgendwie scheint auch das Schlafbedürfnis in Finnland nicht so ausgeprägt zu sein (zumindest im Sommer). Kurzum: um 7 Uhr – Abendessen um 1 Uhr hin oder her – trafen wir uns wieder zum Frühstück. Und dann ging es wieder los. Die letzten 85 Kilometer mit Willi und Peter, die sich in Rovaniemi verabschiedeten und per Flugzeug zurück nach Deutschland fliegen. Mit einer „letzten Pizza“ sagten sie „Tschüs“. Lange werden wir aber nicht in der kleinen Gruppe fahren. Nico und Klaus-Jürgen kommen heute Nacht (die ja keine ist) hinzu und auch Carmen, Marga und Erika sind ab Mittwoch dabei und begleiten Gerhard im Bus Richtung Nordkap. Wir haben heute den nördlichen Polarkreis überschritten – oder besser überfahren – ohne dass wir es bemerkten. Es gab kein Schild, keine Markierung – nur einen kleinen Regenschauer, der uns nach dem „Pizzaabschied“ erwischte. Untergebracht sind wir in typischen finnischen Ferienhäusern in Koskimökit, natürlich mit Sauna und einer Waschmaschine, so dass wir am Mittwoch wieder in „dunkelblau“ nach Norden rollen können.

Höhenmeter: 375

2. Juni 2009
von euroadmin
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Zwischenbilanz – Teil 2

Helsinki liegt schon im Rücken,
und es fängt zu regnen an,
als der Willi voll Entzücken
einen Platten melden kann.

Und bei Jean Sibelius´ Häuschen
wartet man aus Pietät,
dankbar für das kleine Päuschen,
bis es endlich weiter geht.

Auch der Straßenbau macht Freude,
schickt uns auf ´ne Schotterbahn,
und so kommt man leider heute
spät erst bei den Hütten an.

Finnlands Seen, Finnlands Wälder:
Einsamkeit, so weit man schaut.
Ab und zu noch ein paar Felder,
außer Vögeln kaum ein Laut.

Stundenlang fährt man alleine,
ringsherum ist nur Natur.
Ständig Arbeit für die Beine,
und die Seele baumelt nur.

Elche lassen sich nicht blicken,
sind von Radlern wohl verschreckt.
Auch die sonst so schlimmen Mücken
hat noch niemand aufgeweckt.

Finnland-Fahrer, lasst euch raten:
Nehmt euch reichlich Vorrat mit.
Bis zum nächsten Einkaufsladen
ist´s ein halber Tagesritt.

Fahles Licht in kurzen Nächten,
wo man nicht ans Schlafen denkt.
Doch was hilft´s ? Uns armen Knechten
wird auch morgen nichts geschenkt.

Hundertneunzig Kilometer,
noch dazu bei Gegenwind –
etwas Bammel hat da jeder.
Ob wir dem gewachsen sind?

Doch das Team macht alles richtig:
Starke Schultern führen an,
und dahinter – das ist wichtig –
folgen alle Mann an Mann.

Und nachdem man das geschafft hat,
sind die Zweifel weggeweht,
weil man glaubt, dass man die Kraft hat,
selbst wenn´s ewig weiter geht.

1. Juni 2009
von Thomas Will
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Tag 13 – Finnische Gastfreundschaft und (fast) 200 Kilometer

Noch waren 40 Kilometer bis zu unserem Ziel in Lappland zu fahren. Über 150 Kilometer hatten wir an diesem Tag schon in den Beinen, nachdem wir früh um 7.30 Uhr aufgebrochen waren. Wir – ohne Bernd und Gerhard – die sich um den Anhänger verdient machten. Es war hügelig, wie sollte es auch anders sein. Und wir hatten Gegenwind, wie sollte es auch anders sein. Aber wir kamen gut voran. Zur Mittagsrast zeigte unser Tacho schon 105 Kilometer, aber 90 standen noch vor uns. Jetzt aber war erst einmal Organisation gefragt. Bernd bekam die Information, dass unser Anhänger am Abend wieder abgeholt werden konnte. Aus Helsinki war ein Ersatzteil eingeflogen worden. Also machte er sich mit Gerhard auf den Weg. Sie bekamen einen dritten Mitfahrer. Nachdem Harald eine Begegnung mit einem „Wolf“ hatte (aber keinem aus dem Wald) tauschte er den Radsattel lieber gegen einen Sitzplatz im Bus. Wir radelten weiter, kamen Lappland immer näher –und dann kam der ominöse Kilometer 155. Uns kam auf einem Rennrad ein Finne entgegen. Wir begrüßten uns freundlich. Dann wechselte er die Fahrtrichtung, rollte mit uns und wollte uns mit ein paar englischen Begriffen klar machen, dass er uns zu sich nach Hause – zu Kaffee und Tee – einladen wolle. Als wir nicht gleich reagierten, nahm er sein Handy, wählte eine Nummer und gab es mir. Am anderen Ende der Leitung war seine Tochter, die mir in bester deutscher Sprache den Wunsch ihres Vaters übermittelte. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: sie war in Österreich – und ihrem Vater war die Einladung so wichtig, dass er diesen Vermittlungsweg wählte. Wir nahmen natürlich an. Risto und seine Frau freuten sich sehr. Kaffee, Tee, Kuchen – Brot, Wurst, Käse, Plätzchen, Saft – alles war da. Sogar ein Klavier (im Schlafzimmer) und Jochen musste natürlich eine Einlage geben. Herzlich wurden wir verabschiedet. Die letzten 30 Kilometer verflogen einfach nur so. Was aber auch an Stefan, Jörg und Joachim („Joschi“) lag. Sie kämpften heute über 100 Kilometer gegen den Wind und haben sich so den Dank der ganzen Gruppe verdient. Was war sonst noch? Die ersten Rentiere haben wir gesehen und gegen Mitternacht erwarten wir unsere Busbesatzung mit Anhänger wieder im Hotel.

Höhenmeter 960