5. Juni 2009
von Thomas Will
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Tag 17 – Schneetreiben an der norwegischen Grenze

„Ah ist das schön“ – Jörg sprach freudig aus, was alle Euroradler dachten, als sie am Freitagabend das heiße Duschwasser auf ihrer Haut spürten. Zuvor hatten sie 145 Kilometer gegen eisigen Nordwind, Schneetreiben, Graupelschauer und Temperaturen um die 5° zu bestehen. „Thomas es schneit“ meinte Carmen schon kurz vor 7 Uhr – bei einem Blick aus dem Fenster. Dem ersten ungläubigen Staunen folgte ein inneres Schmunzeln, doch wenn ich die folgenden gut acht Stunden auf dem Sattel vorausgesehen hätte, wäre ein wenig Entsetzen die bessere Reaktion gewesen. 37 Kilometer bis zur norwegischen Grenze, immer leicht bergauf und dann war der Landeswechsel an der EU-Außengrenze äußerst unspektakulär. Sonst haben wir hier 10 ° mehr meinte der nette Grenzer. Er verzichtete auf einen Blick in unseren Bus und dann konnte es weiter gehen. 45 Kilometer bis Kautokeino. Eine heiße Rentiersuppe (an den Preisen merkten wir, dass wir in Norwegen sind) und weiter ging es (eigentlich immer am Fluss entlang) – aber die kleinen giftigen Steigungen hatten es in sich. Mehr als 60 Kilometer, ohne die Möglichkeit einen Kaffee zu trinken oder sich einmal aufzuwärmen, das setzte der Moral doch kräftig zu. Aber um 18 Uhr waren wir da. Die Ferienhäuser im Turistcenter sind zwar einfach – aber zweckmäßig. Und am Samstag geht es ja in aller Früh weiter.
P.S. Dietrich konnte den Freudenschrei von Jörg erst mit Zeitverzögerung ausstoßen – als er in den Duschraum kam, war das heiße Wasser schon kalt. Aber mit etwas Geduld löste sich auch dieses Problem.

Höhenmeter 665

4. Juni 2009
von Thomas Will
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Tag 16 – Überleben in Lappland

Von Sirkka nach Entntekiö sind es genau 124,5 Kilometer. Die wollen aber, zumindest wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist gut überlegt sein. Nicht dass unterwegs das Wasser knapp werden könnte, auch bei hohen Temperaturen gibt es genügend Seen mit Trinkwasserqualität. Aber bei knapp sieben Stunden reiner Radelzeit muss an die Verpflegung gedacht werden. Das mit dem Frühstücksbuffet ist nicht jedermanns Sache. Geschäfte sind am frühen Morgen nicht zu finden und die erste Verpflegungsstation ist frühestens bei 57 Kilometern – eine Tankstelle. Also los. Unsere Busbesatzung meldet es schon vorab per Handy – dort bekommen höchstes vier Personen eine Mittagsmahlzeit. Was nun? Noch einmal freundlich nachfragen und schon werden binnen Minuten eine kräftige Suppe, Salat, Fisch, Rentier, Kartoffen, Pfannkuchen und Brot auf den Tisch gezaubert. Einen Kaffee gibt es hinterher und so gestärkt kann es weiter gehen. Weiter gegen den Wind. Nachdem wir am Vormittag 30 Kilometer Schotterpiste gefahren sind, freuen wir uns jetzt wieder über Asphalt. Dafür aber „Wellpappe“ und eisiger Wind. Das Thermometer zeigt 6°, gefühlt ist es aber kälter. Und auf der Strecke bis zum Hotel liegt nur ein kleiner Laden. Der hat zwar Eis und Kaltgetränke, aber die Lust darauf hält sich bei schneebedeckten Bergen in Grenzen. Ein freundliches Wort, kombiniert mit einem etwas erfrorenen Gesichtsausdruck und schon zaubert uns die nette Besitzerin zwei Kannen Kaffee. Mit Kuchen aus dem Geschäft, einem Beutel Milch und drei Papptellern ist im Handumdrehen die Kaffeetafel gedeckt. So gestärkt schaffen wir die letzten Kilometer – diesmal mit dem Wind – und wärmen uns am letzten Tag in Finnland in der Sauna, bevor das Abendessen lockt.
Jetzt heißt es – nach zehn Tagen auf Finnlands Straßen -Abschied nehmen. Am frühen Freitag geht es über die Grenze nach Norwegen. Über 2.000 Kilometer sind wir schon geradelt. 700 in Deutschland, 1.300 in Finnland und jetzt kommen noch einmal 500 in Norwegen dazu.

Höhenmeter 475

3. Juni 2009
von Thomas Will
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Tag 15 – Rentiere, (Eis)regen und ein künstlerisches Feuer

Erika, Marga, Carmen, Nico und Klaus-Jürgen sind da. Pünktlich gelandet um 21.37 (gestern) haben sie mit uns bereits das erste finnische Abendessen (so ab 23 Uhr bis zum Tageswechsel) genossen. Dazu ein Glas französischen Bordeaux und schon waren die „Neuen“ in unsere Großfamilie integriert. Das Frühstück in Marrakoski hielt alles was es versprach – natürlich vom finnischen Haferbrei, über frischen Fisch bis hin zu Gemüse, Obst, Käse und Wurst. Müsli und Säfte durften nicht fehlen und als Krönung präsentierte man uns selbst gebackenen Kuchen. Dann ging es los. Nico und Klaus-Jürgen rollten mit und die finnische Einsamkeit wurde nur durch das ein oder andere – den Weg kreuzende – Rentier unterbrochen. Mittagsrast – Zeit für den „Ausstieg“. Klaus-Jürgen verstaute sein Fahrrad im Anhänger und suchte den warmen Platz in unserem „Arena. So manchen Radler dürfte eine Stunde später an ihn gedacht haben: schnell zog sich der Himmel zu. Dunkle Wolken öffneten sich und schon ging es los. Binnen Minuten waren wir nass. Immer stärker werdender Regen (war nicht auch Eis dabei?) behinderte uns stark. Kalter Wind kam hinzu. Wer keine wärmenden Handschuhe anhatte bekam Probleme mit dem Bremsen und Schalten. Was tun? Harald schlug vor die Hände abwechselnd unter den Achseln zu wärmen.Das half ein wenig. Dann aber die Erlösung: ein Schild mit einer Kaffeetasse. Wir bogen nach links ab und wollten schon wieder wenden und weiter fahren. Doch dann sahen wir ein Jahrhunderte altes Holzhaus. Drinnen eine Feuerstelle (ohne Feuer) und fellbespannte Bänke. Jetzt kam die Besitzerin – sah unsere Lage und bat ihren marokkanischen Freund, Feuer zu machen. Binnen Minuten knisterten die Holzscheite, das Teewasser kochte und wir konnten uns wärmen. Jetzt war auch für mich die Zeit gekommen, mein Unterfangen – mit Sandalen – (aber ohne Radsocken) bis zum Nordkap zu fahren, aufzugeben. Adi steuerte ein paar warme Handschuhe bei und so machten wir uns auf die letzten 40 Tageskilometer in den hohen Norden Finnlands.

Höhenmeter 470