„Ah ist das schön“ – Jörg sprach freudig aus, was alle Euroradler dachten, als sie am Freitagabend das heiße Duschwasser auf ihrer Haut spürten. Zuvor hatten sie 145 Kilometer gegen eisigen Nordwind, Schneetreiben, Graupelschauer und Temperaturen um die 5° zu bestehen. „Thomas es schneit“ meinte Carmen schon kurz vor 7 Uhr – bei einem Blick aus dem Fenster. Dem ersten ungläubigen Staunen folgte ein inneres Schmunzeln, doch wenn ich die folgenden gut acht Stunden auf dem Sattel vorausgesehen hätte, wäre ein wenig Entsetzen die bessere Reaktion gewesen. 37 Kilometer bis zur norwegischen Grenze, immer leicht bergauf und
dann war der Landeswechsel an der EU-Außengrenze äußerst unspektakulär. Sonst haben wir hier 10 ° mehr meinte der nette Grenzer. Er verzichtete auf einen Blick in unseren Bus und dann konnte es weiter gehen. 45 Kilometer bis Kautokeino. Eine heiße Rentiersuppe (an den Preisen merkten wir, dass wir in Norwegen sind) und weiter ging es (eigentlich immer am Fluss entlang) – aber die kleinen giftigen Steigungen hatten es in sich. Mehr als 60 Kilometer, ohne die Möglichkeit einen Kaffee zu trinken oder sich einmal aufzuwärmen, das setzte der Moral doch kräftig zu. Aber um 18 Uhr waren wir da. Die Ferienhäuser im Turistcenter sind zwar einfach – aber zweckmäßig. Und am Samstag geht es ja in aller Früh weiter.
P.S. Dietrich konnte den Freudenschrei von Jörg erst mit Zeitverzögerung ausstoßen – als er in den Duschraum kam, war das heiße Wasser schon kalt. Aber mit etwas Geduld löste sich auch dieses Problem.
Höhenmeter 665







Das half ein wenig. Dann aber die Erlösung: ein Schild mit einer Kaffeetasse. Wir bogen nach links ab und wollten schon wieder wenden und weiter fahren. Doch dann sahen wir ein Jahrhunderte altes Holzhaus. Drinnen eine Feuerstelle (ohne Feuer) und fellbespannte Bänke. Jetzt kam die Besitzerin – sah unsere Lage und bat ihren marokkanischen Freund, Feuer zu machen. Binnen Minuten knisterten die Holzscheite, das Teewasser kochte und wir konnten uns wärmen. Jetzt war auch für mich die Zeit gekommen, mein Unterfangen – mit Sandalen – (aber ohne Radsocken) bis zum Nordkap zu fahren, aufzugeben. Adi steuerte ein paar warme Handschuhe bei und so machten wir uns auf die letzten 40 Tageskilometer in den hohen Norden Finnlands.