12. Juni 2019
von Thomas Will
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Start mit Hindernissen

15. Tag, Mittwoch, 12. Juni 2019

Glas vor dem Hotel in Sassari und Joachim (genau, der von gestern) musste noch dringend in den Supermarkt um Wasser zu kaufen – und so waren es diesmal nur 5 Minuten, die wir später auf die Piste kamen. In Sassari wollte (glaube ich) keiner von uns länger bleiben – auch nicht in dem Hotel. Zum Übernachten ganz o.k. – aber für mehr nicht. Das Abendessen reichte zum (fast) satt werden, die Atmosphäre und die Freundlichkeit der Bedienung erinnerte aber mehr an die Zeit unserer Touren auf dem Balkan oder in der Ukraine. Nun gut, wir ließen Sassari hinter uns, kamen recht schnell an den Stadtrand und folgten der Route aus dem digitalen Navigator (die aber auch analog mit Kompass-Karten nachgeprüft wurde.

Unter der Autobahn hindurch, ein zugewachsener Feldweg: Acker ……… es ging nicht weiter. Auch Uwe, der alle meine Touren im Detail geprüft hatte, wusste keinen Rat. Durch das Gebüsch ging es nicht. Zu dicht. Zurück, an zwei Sperrungen vorbei, wieder auf die Straße. Geschafft. Nur 700 Meter mehr, dafür aber eine gute ¼ Stunde Zeitverzug. Hinauf nach Ittiri, es wurde warm und schweißtreibend. Doch auf einmal machten wir Strecke. Um ½ 1 waren wir an der Nuraghe Santu Antine. Natürlich besichtigten wir den steinernen Zeitzeugen Sardiniens. Wir werden noch mehr sehen. Und: für Radler besonders wichtig: wir bekamen etwas zu essen. Panini mit Käse, Salami, Schinken, dazu alkoholfreies Bier (richtig kalt) und einen Espresso. Weiter. Die nächsten zehn Kilometer flogen dahin.

Dann aber ging es nach oben. Steigung am frühen Nachmittag in sengender Sonne. Unsere Gruppe zog sich auseinander. Jupp machte seine Arbeit als „Besen“ hervorragend und sorgte dafür, dass keine(r) zurückblieb. Je höher wir kamen, um so toller die Ausblicke über die Insel. Tolle Wälder, das Klima wurde besser. Wasserbrunnen zum erfrischen – und dann war Friedhelm platt. Nein, nicht er – sondern sein Fahrrad. Uwe blieb bei ihm und nach wenigen Kilometern hatten sich uns schon eingeholt. Wir waren ober. Unter uns Bono. 500 Meter tiefer. Eine knappe halbe Stunde später schlängelten wir uns durch den Ort. Die Debatte, ob wir im Ort noch einen Kaffee trinken wollen oder gleich zum Hotel fahren löste sich durch die Macht des Faktischen. Wir sahen kein Cafe – und so konnten kurz nach 17 Uhr im Hotel alle Getränkewünsche eingelöst werden.

Die nach Kaffee und die nach Bier – und auch die nach einer Runde im Pool. Karsten, Caro, Hannes und Reeda kamen zeitgenau mit dem Vivaro an und so hatte auch jeder die Chance auf frische Kleidung und seine Badehose. Die Gedanken schweiften zwischen Vorfreude auf das Abendessen und der Etappe am morgigen Tag. Manchmal ist es vielleicht besser weniger an Morgen zu denken und den heutigen Tag – oder die aktuelle Stunde zu genießen.

87,6Kilometer – 5.54 Stunden auf dem Rad – 14,80km/Schnitt – 1.581 Höhenmeter – 1.034m am höchsten Punkt – 60,3km maximal – 2.424 Kalorien

 

 

 

 

11. Juni 2019
von Thomas Will
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„Is der Jupp noch uf de Stubb?“

14. Tag, Dienstag, 11. Juni 2019

8.30 Uhr ist für uns Euroradler eine normale Startzeit. Manchmal geht es eine halbe Stunde früher los, aber eigentlich nie später. Startdisziplin gehört bei uns (eigentlich) dazu. Heute war dies anders. Unsere beiden „Kostemer“ kamen später. Jupp holte in aller Gemütsruhe sein Fahrrad, bestückte es – und dann konnte es losgehen: mit zehn Minuten Verspätung. Ob das Konsequenzen hat? Länger bleiben wäre auch in Santa Teresa schön gewesen, doch hätte unser Budget nicht für eine zweite Nacht in dem tollen Strandhotel ausgereicht. So ging es erst mal eine kurze 16%ige Steigung nach oben und in Wellen der Nordküste Sardiniens entlang. Wir drosselten immer mal wieder das Tempo, um alle RadlerInnen im Tross mitzunehmen. Dann nach 15 Kilometer: langsam fahrende Autos. Warnleuchten. Mitten auf der Straße saß (gemütlich) eine Schildkröte. Wir hielten natürlich auch an. Ein Griff und schon war das gepanzerte Tier wieder im Straßengraben. Hoffentlich auf der richtigen Seite, denn auch sein Panzer hätte ihm gegen die Autoreifen nicht genügend Schutz geboten. Ein paar Kilometer weiter ein kurzer „Früchtestopp“ – die gibt es hier an fast jeder Ecke. Joachim (Joschi) deckte sich mit eingelegen Oliven ein, die er bis in den frühen Nachmittag jedem von uns (immer wieder) anbot. Jetzt bei Kilometer 20 flog die Gruppe auseinander. Das Gelände war zu wellig um gemeinsam zu fahren. Zwanzig Kilometer weiter der Spruch des Tages: „Bis ihr gekommen seid, haben wir mal schnell die Bremsklötzchen gewechselt. Mittagspause bei Kilometer 51. Ein Restaurant an der Straße bei Badesi. Nudeln mit Tomaten für alle – kühle Getränke – und weiter.

Wer wollte konnte 1,2 Kilometer „Umweg“ in Kauf nehmen um den Elefanten von Castelsardo zu sehen – wer nicht, der hatte die Chance auf einen Espresso. Weiter entlang der Küste: hoch, runter, hoch, runter, …… tolle Ausblicke und jetzt fuhr jeder so schnell wie er wollte oder konnte. Nach zwanzig Kilometern: sammeln. In den Gesichtern helle Freude. Jetzt war Zeit für einen Kaffee.

Direkt am Strand – bei tollem Wetter. Ein toller Tag. Aber wir mussten ja noch bis nach Sassari. Nur 17 Kilometer, aber der Verkehr nahm zu. Ein Radweg direkt neben der vierspurigen Schnellstraße. Eigentlich eine gute Idee – nur der Weg war stellenweise komplett zugewachsen. Trotzdem kamen wir sicher in unserem Hotel an, auch wenn es schöneres gibt als bergauffahren auf Kopfsteinpflaster in der Stadt. Nun gut: morgen geht es wieder in die Natur. Die Berge und Nuraghen rufen.

107,9 Kilometer – 6.22 Stunden auf dem Rad – 16,91km/Schnitt – 1.202 Höhenmeter – 248m am höchsten Punkt – 45,8km maximal – 2.263 Kalorien

10. Juni 2019
von Thomas Will
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Was man alles verlieren und wiederfinden kann

13. Tag, Montag, 10. Juni 2019

In Petreto-Bisssisano machte man es uns sehr schwer zu gehen. Orangensaft, Kaffee, Brot, Feigenmarmelade (köstlich), Obst – so viel wir essen wollten und konnten – aber wir mussten weiter. Petra vermisste ihre langen Strümpfe, genauer gesagt einen davon. Joachim einen Armling. Bisher hatten wir alles wiedergefunden: Stephan und Friedhelm ihre Trikots, Karsten seinen Hut – mal sehen. Zuerst einmal aus dem Tag (286 Meter hoch gelegen) auf den ersten Hügel (605 Meter hoch gelegen) – das Ganze auf knapp zehn Kilometer. Der Wind wehte mal von vorn, aber meistens von hinten, so dass wir die ersten Höhen problemlos bewältigten. Eine steile Abfahrt hinunter nach Propriano und dann durch die turbulente Kleinstadt. Es wurde heiß und stickig, der Verkehr nahm zu – es nervte: die Sonne, die Steigung, aber vor allem die Autos. Hinauf nach Sarterne – wir hatten es fast geschafft, nach einer Tankstelle rechts um die Ecke – und: 16% Steigung: keine Gnade für die Wade. Oben. Fotos – noch sechs Kilometer bis zum Mittagessen. Friedhelm trat an (wie so oft) und schon war er weg. Ganz weg. Bei der Mittagsrast: kein Friedhelm. Uwe erreichte ihn mobil. Er war vorbeigefahren – wollte aber zurückkommen. Wir bestellten für uns alle Lasagne.

Toll. Fast nur Gemüse, ganz wenig Nudelteig – genau richtig für Radler. Nur eine Portion blieb übrig: die von Friedhelm. Der meldete sich- wieder mobil – er komme nicht zurück. Ihm entging nicht nur der tolle Ausblick von unserer Restaurantterrasse, sondern auch der kulinarische Genuss. Wieder auf den Rädern ging es steil bergab. Jetzt war uns klar, warum Friedhelm nicht mehr nach oben gefahren war. Nun gut: Radler sind Individualisten – zu viel davon geht oft zu Lasten des Genusses. Aber: im Tal fanden wir ihn wieder. Tolle Ausblicke auf die korsische Südküste. Steil hinunter nach Bonifacio und dort bei Rocca Serra das teuerste Eis „ever“ genossen (3,50€ je Kugel). Wahnsinn. Zum Hafen – und nach einer halben Stunde im Wind, mit der Fähre hinüber nach Sardinien. Ach ja. Noch auf Korsika fand Kurt Petras Strumpf. Er hatte sich beim Wachen im Ärmel seiner Windjacke verfangen. Man findet alles wieder: Trikots, Socken, Hüte und sogar einen Friedhelm. Nach der Überfahrt nach Santa Teresa Gallura (45 Minuten) kamen noch ein paar Höhenmeter dazu.

Dann unser Hotel. Direkt am Meer. Die „HärtnerInnen“ machten gleich damit Bekanntschaft und wir freuen uns auf das Abendessen. Es gab Menüwahl. Nachmittags konnten wir mobil unsere Wünsche übermitteln. Mal sehen, ob jeder von uns in Italien noch weiß, was er in Frankreich bestellt hat. Immerhin liegen gut sieben Stunden dazwischen. Rudi wusste beim Eiscafe in Bonifacio schon nach zehn Minuten nicht mehr welchen Eisbecher er bestellt hatte. Machte aber nichts: Klaus genoss Rudi`s und umgekehrt.

89,7 Kilometer – 5.12 Stunden auf dem Rad – 17,21km/Schnitt – 1.286 Höhenmeter – 605m am höchsten Punkt – 66,5km maximal – 2.442 Kalorien