12. Tag, Sonntag, 9. Juni 2019
Wir waren früh wach. Ein paar Wanderer noch früher. Als wir uns um 6 Uhr zur „Katzenwäsche“ aufmachten, gingen sie schon mit Rücksäcken auf die Hochgebirgstrails im Herzen von Korsika. Duschen fiel aus, Rasieren auch (bis auf Friedhelm), Zähne putzen musste reichen. Vor den beiden Toiletten bildete sich eine Schlange – aber es gab eine Wartebank. Frühstück – sehr französisch und heute ohne Teller. Ein Messer für vier Personen musste reichen. Aber darauf kommt es ja nicht an. Weißbrot gab es genügend – und natürlich auch Kaffee. Dafür war nur Barzahlung möglich. Heinz-Ludwig, Friedhelm und Petra halfen aus und so konnten wir uns auf dem Weg machen.
Erst einmal knapp zwanzig Kilometer bergab. Dann 500 (Höhen)meter nach oben. Eine kleine Erfrischung und weiter nach Aullene. Mittagsrast. Ein kleiner Salat, mit Zwiebeln und Gemüse gefüllt Teigtaschen und ein Espresso. Und weiter – jetzt in der sengenden Sonne wieder bergan. Auch Kühe konnten uns nicht aufhalten.
Die letzten Höhenmeter (für heute) und dann 15 Kilometer bergab. Petreto-Biccisano, nur knapp 300 Meter hoch gelegen. Wir spüren die Klimaveränderung sofort. Aber was soll es. Dafür ist unsere Unterkunft um Klassen besser. Sogar ein Pool ist vorhanden. Wäsche waschen geht auch. Wir haben endlich einmal ein paar Stunden Zeit um unsere Satteltaschen zu sortieren – und uns. Dass es kühle Getränke erst nach 19 Uhr gibt ist dabei schon ein Luxusproblem. Ach ja, morgen ist schon unser letzter Tag auf unserer ersten Insel. Zuvor aber noch ein tolles Abendessen mit korsischer Wurst, gegrillten Spießen, Käse, Eis und Kuchen. Wollen wir wirklich hier weg?
73,3 Kilometer – 3.54 Stunden auf dem Rad – 18,81km/Schnitt – 811 Höhenmeter – 1.296m am höchsten Punkt – 48,9km maximal – 1.214 Kalorien

Grandios. Einfache Hütten, aber zweckmäßig eingerichtet – ein toller Platz. Wenn wir zu diesem Zeitpunkt gewusst hätten, was uns abends erwartet, wären wir bestimmt in Lozzi geblieben. Wir fuhren ein wenig später los. Petra übte sich als Ersatzoma. Dann ging es bergab. Immer mal wieder ein Fotostopp, Schluchten, Seen – grandios. Der erste Berg vor Corte flog nur so unter unseren Rädern dahin und dann waren wir in der heimlichen Hauptstadt. Hätten wir vielleicht besser nicht machen sollen.
Joachim sprang die Kette vom Rad und verkeilte sich zwischen Speichen und Ritzel, wir kamen in einen Umzug mit Pferden, verloren Carmen und den anderen Joachim und machten uns auf zum nächsten Anstieg. Uwe organisierte unser Mittagessen – wiederum perfekt französisch und Heinz-Ludwig wählte jetzt die Autovariante.
Wir machten uns auf den 900 Meter langen Anstieg in das Herz der Insel. (900 Meter heißt nicht, dass wir nur einen knappen Kilometer gefahren sind, sondern dass unser Zwischenziel 900 Meter höher lag!!!) Jeder individuell für sich und doch trafen sich auf der schönen Straße – mit wenig Autos und Motorrädern – immer wieder kleine Gruppen. Nach 2 ½ Stunden waren wir alle oben – Abfahrt nach Ghisoni und Kaffeepause. Total nett – Kaffee mit Kastanienkuchen. Und sogar ein kleines Hotel. Hier hätten wir bleiben sollen, wenn wir geahnt hätten, was noch kommt. Nicht der 600 Meter lange Anstieg, sondern unsere Unterkunft.
Einfachste Hütten, kein Strom (!!!), zwei Toiletten für gut 50 Personen – keine Bettwäsche und keine Handtücher – wir mussten improvisieren. Dafür war das Abendessen toll. Kotelette vom offenen Feuer, Gemüse, Kastanienbier – ein Glas Wein und ab ins Bett. Wider Erwarten fanden wir Ruhe und Schlaf und freuten uns auf das Frühstück und den nächsten Tag. 

Fünf Stunden Bergfahrt. Die Abfahrt über 20 Kilometer war Genuss, Genugtuung – aber auch hier konnte schon nachgedacht werden: über die Anstiege am Samstag. Nun aber galt es erst einmal den letzten heutigen Anstieg zu bewältigen – aber pünktlich um 21 Uhr war es geschafft. Lozzi – vier Hütten – eigenes Flair. Tolle Wurst, frisches Brot, Kalbfleischeintopf standen auf dem Tisch – die Nudeln mussten wir selber kochen. Wäsche waschen auch. Unser Wirt zog ein Fußballspiel vor – aber das war uns eigentlich egal. Jetzt nur noch ins Bett. Und vielleicht ein Gedanke an den vergangenen Tag in Calvi. Dort – wo es eigentlich keinen Wäscheservice gab, war die nette Kollegin an der Rezeption sofort bereit uns zu helfen. Um 18 Uhr abgegeben. Um 21 Uhr gewaschen und getrocknet zurück. So geht es auch. Was auf einmal für einen Euroradler wirklich wichtig ist.