31. Mai 2019
von Thomas Will
2 Kommentare

Länderhopping und ein Plattenkönig

 3. Tag, Freitag, 31. Mai 2019

Gerhard ist da. Lieber zu früh als zu spät – dürfte er sich gedacht haben, denn schon eine Stunde vor dem Start war er an unserem Hotel. Dabei hatte er sein Fahrrad und seine Ilse – sie fährt zwar nicht mit dem Rad, sondern mit dem Auto – damit sie ihren Gerhard in Savona wieder mit nach Hause nehmen kann. Damit es auch wirklich sicher geht mit der Abfahrt, vergewisserte er sich am Vorabend telefonisch. So geht es auch. Ach ja: Alf konnte mit zwei Tagen Verspätung jetzt auch seine erste Etappe in Angriff nehmen. Dafür musste sich Jörg schon verabschieden. Die Kanzlei lässt ihm keine weiteren freien Tage. Na ja, ob Radfahrtage so wirklich frei sind?

Dann konnte es aber losgehen. Gerhard hatte sich vorbereitet, nahm ein paar Feldwege im Donautal und schnell hatten wir bis Bad Saulgau zwei Kilometer eingespart. Aber: schon nach 10 Kilometer war Uwe platt. Gestern war dies erst nach 65 Kilometern der Fall. Flicken, aufpumpen – nichts half. Nach 21 Kilometern das gleiche Spiel. Wieder platt. Natürlich nicht Uwe, sondern sein Hinterreifen. Schluss mit lustig. Ein Radladen musste her. Joachim kaufte gleich eine neue Kette und wir teilten uns auf. Die Großgruppe fuhr sportlich weiter. Eine Kleingruppe blieb am Radladen und fuhr uns (sehr) sportlich nach. Mittagsrast beim Bäcker Waggershauser südlich von Ravensburg. Kartoffelsalat mit Nürnbergern. Aber nicht für jeden: Jupp isst kein Fleisch – also Salat ohne alles. Joachim wollte keinen Salat – also Nürnberger ohne alles. Uwe isst keine Wurst, also ein Stück Kuchen. Bei der nächsten Tour gibt es nicht nur ein Roadbook, sondern auch einen individuellen  Essensplan (Scherz). Dann rollte es bis an den Bodensee. Fast. Stephan hatte in Kressbronn zwei Satteltaschen ersteigert, die wir jetzt abholten. Natürlich mit extra Höhenmetern. Aber was soll`s. Dafür übernahm er später mit Uwe,  und Wolfgang die Kaffeepause.

Dann weiter auf der Fahrradautobahn am Bodensee. Ich weiß nicht was schlimmer ist: ein Anstieg in der Alb, die Stadtdurchfahrt in Bregenz oder der Bodenseeradweg. Aber wir kamen problemlos durch. Und dann rollte es an Rhein hinauf. Der Tacho zeigte 21, 22, 23, 24, 25, stellenweise 26 Kilometer – und das nach 120 Kilometern auf dem Sattel. Die Kaffeepause auf dem Campingplatz in St. Margarethen (in der Schweiz) tat richtig gut. „Mit dem Appenzeller fährst du dann noch viel schneller“ (nicht der Käse, sondern der Kräuter ist hier gemeint). Und dann waren wir da. Sehr freundlicher Empfang. Die Räder kamen handgetragen in den Keller und haben hier Nachtruhe bis morgen früh. Aber nicht ganz so früh. „Es ist Wochenende, da gibt es Frühstück erst ab 7.30 Uhr“ – auch gut, wir haben ja nur knapp 94 Kilometer.

Und jetzt sitzen wir im „Löwen“ – wie gut doch ein Bier schmecken kann.

136,2 Kilometer – 7.16 Stunden auf dem Rad – 18,73km/Schnitt – 635 Höhenmeter – 610m am höchsten Punkt – 52,8km maximal – 3.144 Kalorien

30. Mai 2019
von Thomas Will
1 Kommentar

„Komm ich geb dir Windschatten“

2.       Tag, Donnerstag, 30. Mai 2019

Die Schwäbische Alb – wir hatten schon ein wenig Respekt, schließlich war es die richtige erste Bergetappe – und wir haben die Alpen gesehen. Aber der Reihe nach. Ab 7 Uhr konnten wir im „Adler“ (dem in Tiefenbronn) frühstücken und wir waren uns einig: hier kann man auch länger bleiben. Unsere Trikots bekamen wir „gratis“ gewaschen und dann konnte es losgehen.

Immer leicht ansteigend kamen wir näher an Reutlingen heran – unterwegs traf Wolfgang seine Cousine – und nach einer rasanten Abfahrt – waren wir auch schon da. Im „Becks“ in Pfullingen gab es die Mittagsrast (acht Pizzen für 14 Radler) und dann ging es nach „oben“. So um die 10% werden es schon gewesen sein, schwitzend kamen wir aus dem Tal auf die Alb, aber der Radweg (auf der Strecke einer alten Zahnradbahn) ist durchaus zu empfehlen. Oben angekommen konnten wir bei bestem Wetter die tollen Ausblicke genießen. Bis zu den Alpen – schneebedeckt – in drei Tagen werden wir dort sein. 

Mit der Kaffeepause war ein wenig schwieriger. Bäckereinen hatten am Feiertag zu, nicht alle Gasthöfe offen – und so wurde es die „Rose“ in Ehestetten. Kuchen gab es keinen, dafür Kaffee, Apfelschorle und eine Nachspeisenvariation – alles Bio. Gestärkt machten wir uns auf die nächsten Kilometer und nahmen noch eine (überflüssige) Steigung mit. Wolfgang schimpfte wie ein Rohrspatz.

Hätten wir uns auf seine Karten verlassen, waren uns 100 Höhenmeter erspart geblieben. Manchmal ist analog doch besser als digital. Dann waren es nur noch drei Kilometer. Und es reichte – obwohl es ein toller Tag war. Wir radelten gegen den (leichten) Westwind und Carmen meinte: „Komm – ich geb dir Windschatten“. Soweit sind wir schon. Wir kamen im „Adler“ an – dem in Grüningen und genießen unser Abendessen. Der Tag könnte so schön sein – wenn nur die Steigungen nicht wären.

113,0 Kilometer – 7.23 Stunden auf dem Rad – 15,28km/Schnitt – 1.338 Höhenmeter – 764m am höchsten Punkt – 67,34km maximal – 3.120 Kalorien

29. Mai 2019
von Thomas Will
2 Kommentare

Albua zu und Alf verpennt

1.       Tag, Mittwoch, 29. Mai 2019 – Bischofsheim – Tiefenbronn

Wir hatten ja schon fast alles zum Start unserer Touren. Aber eben nur fast. Zehn Stunden bevor es los ging kam die Meldung: der Albula wird erst am 6. Juni geöffnet. Nun ist das zwar ein schöner Tag, aber für uns einfach zu spät – denn da wollen wir schon in Calvi sein, und das liegt nicht in der Schweiz, sondern auf Korsika. Also musste eine Alternative her: wir fahren über den Splügen – das Hotel kurz vor 22 Uhr gebucht und dem Albulahospiz mit großer Trauer abgesagt. Carmen war enttäuscht – eigentlich wollte sie nur wegen des Albula die erste Woche mitfahren. „Wir machen das im nächsten Jahr zu zweit“ – und dann ging es nach einer kurzen Nacht auch schon los.

Viele die nicht dabei sein können verabschiedeten uns und dann ging es auch schon los. 34 Kilometer durch den Kreis Groß-Gerau, von Klein-Rohrheim nach Einhausen und nach knapp 2 ½ Stunden war auch schon die Kaffeepause angesagt. „So Isses“ – nicht nur bei unseren Touren, sondern so war auch der Name es Cafes. „Ihr wollt nach Mannem“ – „Nein nach Malta“ ließen wir eine Damenrunde erstaunt zurück und machten uns auf den Weg nach Süden. Dann wurden wir abrupt gestoppt. Nicht von einem Platten, nicht von einer Baustelle, sondern vom „Echo“, also der Zeitung aus dem Kreis. Aktuelle Infos zur Situation unserer Klinik – egal ob im Büro oder auf dem Fahrrad. Nach 15 Minuten ging es weiter – bis nach Rot. Mittagspause war nach 100 Kilometern angesagt. Zwei Griechinnen  im „Engel“ servierten uns in Windeseile die Stärkung – dann noch ein Espresso aus Haus und wir radelten gestärkt weiter. Der Himmel über uns sah bedrohlich aus. Schwarz türmten sich die Wolken – aber wir hatten Glück. Entweder war der Regen gerade vorbei – oder er kam noch (nach uns). Also: vielleicht war es ja der Anruf von Frau Wildmeister, dem die „Euroradler“ zu verdanken hatten, dass sie „trocken“ ankamen. Dass es aber trotzdem ein wenig feucht wurde lag an den Hügel die jetzt kamen und die uns bis auf über 500 Meter brachten. Kaffeepause in Göbrichen – und weiter.

Dann wieder eine unfreiwillige Rast. Kettenriss bei Joachim. Aber auch da bekamen wir hin. Und so wurde es kurz nach 19 Uhr, bis wir im „Adler“ in Tiefenbronn ankamen und freundlich empfangen wurden. Ach ja: Alf – der war da noch in Wiesbaden und fuhr gemütlich Auto: „Wie – der Start ist doch am Donnerstag?“. Nun ja, er kommt nach. Mal sehen wann er zu uns stößt. So und jetzt stärken wir uns beim tollen Abendessen und morgen starten wir in frisch gewaschenen Trikots.

168,6 Kilometer – 9.44 Stunden auf dem Rad – 17,32km/Schnitt  – 934 Höhenmeter – 507m am höchsten Punkt – 52,4km maximal – 4.923 Kalorien