29. Mai 2017
von Thomas Will
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Temperatursturz

14. Tag, Montag, 29. Mai 2017 – Falun – Gävle

Es ist richtig frisch, als wir uns in Falun auf die Räder schwingen. Trotzdem probiert es so mancher von uns in kurzen Hosen – aber mit Jacke. Die Stadtausfahrt bringt die üblichen „Problemchen“ die richtige Route zwischen Straße und Radweg zu finden. Dann aber –wie für uns gemacht – auf einer frisch geteerten Straße nordwärts bis Svärdsjo.

Die Sonne lässt sich nicht blicken, dafür hat Heinz-Ludwig (von hinten) alles im Blick. Gefühlt ist es am heutigen Montag um 20° kühler als gestern, aber wenigstens ist es von oben trocken. Wir machen nach 35 Kilometern die erste kleine Pause – Zeit die Karten zu wechseln, zu telefonieren und zu dem was man sonst zwei Stunden nach dem Frühstück machen muss. Längst haben wir darin Routine. Männer links in den Waldweg, Frauen rechts. Weiter geht es.

Wer noch keine Armlinge oder Beinlinge an hat, macht das spätestens jetzt. Wir freuen uns auf das Mittagessen und bei Kilometer 72, pünktlich um 12 Uhr ist es soweit. Willi organisiert in perfektem schwedisch, dass es heute keine Pizza gibt. Dafür einen Kebabteller – oder besser: 12 für 18 oder 3 für 4. Euroradler teilen. Salat davor, Kaffee danach – dazu noch (nein, keine Lindtschokolade) Kekse und weiter westlich Richtung Gävle. Jupp macht vorne wieder den Tempomann, nimmt mir den Wind und wir sind kurz nach 15 Uhr mitten in der Fußgängerzone der pulsierenden Ostseestadt. Das zweite Cafe ist es. Wir lassen es uns gut gehen, schließlich sind wir ja auch schon 108 Kilometer geradelt. Nur noch 10 Kilometer bis zum Ziel. Wir kommen kurz vor 17 Uhr in Engeltofta an. Eine alte Villa dient als Restaurant. Die Appartements sind Spitze.

Ein Pool gehört dazu, einige von uns springen sofort hinein – jetzt könnten wir hier ein paar Tage Urlaub machen. Wenige Meter weiter hört man die Ostsee; es ist toll hier unterwegs zu sein. Ein wenig getrübt wird die Stimmung durch den Wetterbericht, der sagt für den morgigen Dienstag Regen voraus – aber noch scheint die Sonne vom blauen Himmel und warum sollen wir uns jetzt die Laune verderben lassen.

Wir freuen uns auf das Abendessen und einen schönen Sonnenuntergang und vielleicht wird dabei auch so manche Erinnerung wach: auf den Tag genau von 25 Jahren waren die Euroradler (die damals noch nicht so hießen) auf dem Weg nach Dzierzoniow. Am zweiten Tag unserer Tour übernachteten wir in Hofheim in Franken – und da stand auch ein Schwimmbadbesuch auf dem Tourenplan.

117,7 Kilometer, 603 Höhenmeter, 6.28 Stunden auf dem Rad, 18.17 km im Durchschnitt, 47,6 km Höchstgeschwindigkeit, Höchster Punkt: 212 Meter, 2.162 verbrauchte Kalorien

28. Mai 2017
von Thomas Will
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Heiße Schokolade und zu viele Autos

13. Tag, Sonntag, 28. Mai 2017 – Mora – Falun

Es gibt in unserer Gruppe ein paar Fans der Eintracht (der aus Frankfurt) – und die waren beim gestrigen Abendessen nicht ganz glücklich – Juan war es, unser Ginsemer, der aus Mexico stammt sympathisiert mit den „Schwarzgelben“. Nun gut, dafür trug er heute das Besentrikot. Zuvor aber ein ausgiebiges Sonntagsfrühstück – und dann los bei bestem Wetter. Die Sonne brezelte erneut vom Himmel und wir machten uns auf den Weg nach Rättvik.

37 Kilometer nach zwei Stunden, es lief klasse. Nur eines störte: die Autos. Es gibt gut acht Millionen Schweden, vielleicht fünf Millionen Autos (in diesem großen Land), aber gefühlt müssen sie am heutigen Sonntagvormittag alle zwischen Mora und Falun unterwegs gewesen sein. Trotzdem kamen wir gut voran. Jupp gab mir Windschatten und bei Bjursas machten wir nach 66 Kilometern unsere Mittagspause. Die Frage nach dem Speiseplan erübrigt sich – genau: Pizza.

Nur Andreas hatte es diesmal besser. Da es unserem Gastwirt nicht verständlich zu machen war, eine glutenfreie Pizza zu backen, gab es eine Fleischportion satt. Dann noch eine Tasse Kaffee – und dazu ein Stückchen Lindtschokolade (die mit 98 Prozent Kakaoanteil), die mir die Radler nach dem Rehunfall geschenkt hatten. Vorgestern hatten wir schon die halbe Tafel gegessen, jetzt sollte die zweite Hälfte drankommen. Ein Griff in das Lenkertäschchen und eine Vermutung wurde zur Gewissheit: verlaufen ……… Ich weiß nicht wer sich vorstellen kann, was 50 Gramm Schokolade in einem Lenkertäschchen anrichten können? Ich kann es mir seit heute. Ein Fluch, aber es nutzt ja nichts. Ausreiben, auf der Toilette mit heißem Wasser nachspülen, Handwaschpaste nicht vergessen – es gibt schönere Momente bei einer Radtour.

Weiter nach Falun. Schnell ein Blick in die Erzgrube – immerhin ein Weltkulturerbe, aber es musste schnell gehen, denn um 15 Uhr ist dort sonntags schon Schluss. So kam es, dass wir um ½ 4 in der Hotelhalle saßen, einen Kaffee genossen und uns freuten, dass eine Tagestour auch mal etwas früher zu Ende geht und uns noch Zeit bleibt um dem Städtchen einen Blick zu widmen.

89,3 Kilometer, 533 Höhenmeter, 4.24 Stunden auf dem Rad, 20.28 km im Durchschnitt, 50,4 km Höchstgeschwindigkeit, Höchster Punkt: 327 Meter, 1.969 verbrauchte Kalorien

27. Mai 2017
von Thomas Will
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Mit Volldampf in die Sauna

12.Tag, Samstag, 27. Mai 2017 – Tyfors – Mora

Neben mir blubbert der Whirlpool, vor mir wird im Schwimmbecken geplanscht und gleich nebenan sind die beiden Saunakabinen (nach Geschlechtern getrennt!) – in diesem Umfeld ist bisher noch kein Tagebucheintrag bei den Euroradlern entstanden. Los ging es heute früh schon gegen 6 Uhr (und das am Sonntag) – jeder von uns wollte wohl zuerst unter die Dusche oder zur Toilette, und so kam es, dass man bereits um 6.30 Uhr einige Euroradler in voller Radmonteur in der mittelschwedischen Einsamkeit bewundern konnte. Unser Frühstück war mit viel Herzlichkeit zubereitet, es fehlte an nichts und wir können einen Tag (oder auch mehrere) in Tyfors nur empfehlen. Dann ging es los. Bei den Euroradlern wird Solidarität übrigens groß geschrieben.

Ob es darum geht, Carmen zum „xten Mal“ die Kette aufzulegen (wenn sie dann doch mal das kleinste Ritzel braucht), beim Schlauchwechsel zu helfen, eine Schraube festzuziehen oder eine Satteltasche zu fahren, wenn es dem Mitradler mal hier oder da zwickt. So ging es dann nach Norden, links Nadelwald und Seen, rechts Nadelwald und Seen und nach 43 Kilometer ein Supermarkt. Stephan, Willi und ich kauften ein. Alles was man für ein Mittagspicknick benötigt (denn: eine Einkehrmöglichkeit gab es auf der heutigen Etappe nicht). Keine Pizza – nun gut, dafür aber Brot, Käse, Wurst, Kekse, Joghurt, Tomaten, Äpfel, Bananen – und das alles an einem kleinen Flusslauf –in idyllischer Lage. Es wurde heiß. Stephan kämpfte nicht nur gegen den Wind, sondern auch gegen die Sonne. Er hatte heute die Aufgabe „vor mir“ zu fahren – Klaus machte den „Besen“. Die letzten 20 Kilometer waren dann weniger idyllisch. Wir mussten wieder auf die Europastraße und kamen „sehr pünktlich“ (16 Uhr) in Mora an. Unser Schnitt lag jenseits der „20“.

Im Spahotel war man an der Rezeption zwar freundlich aber überfordert. Die Zimmerlisten waren gedruckt und genau so sollten wir uns auch betten. Wollten wir aber nicht.

Carmen schrieb die Listen um. Wir organisierten eine Unterstellmöglichkeit für die Räder, der Wäscheservice klappte und auch das Frühstück soll morgen früh um 7.20 Uhr bereit stehen, damit wir wieder pünktlich um 8.30 Uhr loskommen. Bis dahin noch ein Saunagang, das Abendessen und eine hoffentlich ruhige Nacht.

119,5 Kilometer, 699 Höhenmeter, 5.46 Stunden auf dem Rad, 20.72 km im Durchschnitt, 55,8 km Höchstgeschwindigkeit, Höchster Punkt: 442 Meter, 2.483 verbrauchte Kalorien