26. Mai 2017
von Thomas Will
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Vorne Flottmann – hinten Flottmann

11.Tag, Freitag, 26. Mai 2017 – Örebro – Tyfors

Das Reh begleitete mich die ganze Nacht – in Gedanken. Jede Bewegung, zumindest wenn die rechte Körperseite davon betroffen war, war (ein wenig) schmerzlich. Da die schwedischen Nächte schon gegen 4 Uhr am Morgen zu Ende gehen (es ist dann taghell) kann man das bewusst ausprobieren. Es ging ganz gut, aber ein Restzweifel blieb, ob das mit der Tour nach Tyfors klappt, immerhin fast 150 Kilometer auf dem Fahrrad. Gut frühstücken, die Taschen packen, das Rad herrichten – heute ein wenig akribischer als sonst – und dann ging es los. Der erste Kilometer in der Stadt, es ging – aber wo war der Weg?

Wir kurvten mehr oder weniger parallel zur Europastraße, kamen aber nicht richtig voran. Die Zeit verging, die Kilometer wurden nicht mehr. Wir planten um. Hatten in Nora schon zehn Kilometer als geplant da waren wir unserem Zeitplan weit hinterher. Vorne setzte sich Tim (Flottmann) vor mich, hinten sorgte Jürgen (Flottmann) dafür, dass keiner von uns zurückblieb. Wer von beiden die schwierigere Aufgabe hatte ist bis jetzt noch nicht geklärt. Dafür gibt es eine neue Taktik um am Berg schneller zu fahren: Carmen, der beim schalten auf den kleinen Kranz oft die Kette herunter fiel, ließ diesen einfach aus, was dazu führte, dass sie an diesem Tag immer im Vorderfeld mitfuhr. Zur Nachahmung empfohlen. Mittags gab es wieder die obligatorische Pizza. Willi bestellte telefonisch vor – und es klappte wie am Schnürchen.

Die Zeit, die wir am Vormittag verloren hatten, holten wir am Nachmittag wieder ein. Ein kurzer Kaffeestopp im Supermarkt und kurz nach 19 Uhr waren wir in Tyfors. Zwei Häuser, mitten auf dem Land, einfaches, aber tolles Abendessen – ein Ort um Urlaub zu machen.

Wir müssen aber weiter. Mora wartet auf uns. Das Reh übrigens hat mir – je länger der Tag wurde – immer weniger Probleme gemacht.

155,5 Kilometer, 1.302 Höhenmeter, 8.34 Stunden auf dem Rad, 18.13 km im Durchschnitt, 49,5 km Höchstgeschwindigkeit, Höchster Punkt: 304 Meter, 4.331 verbrauchte Kalorien

 

25. Mai 2017
von Thomas Will
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Bis das Reh kam ……..

10. Tag, Donnerstag, 25. Mai 2017 – Motola – Örebro

Wir konnten ab 6.30 Uhr frühstücken, in unserem Hotel in Motola kam man uns entgegen, denn an einem Feiertag beginnt das Buffet eigentlich erst eine Stunde später. Ein Bild vor dem Hoteleingang und dann ging es los. Strahlender Sonnenschein, leichte Wellen und ab zum Götakanal.

Gut 15 Kilometer auf unbefestigter Strecke entlang einem technischen Meisterwerk. Entspannung pur. Per Telefon orderten wir unser Mittagessen in Tjällmo – bei Kilometer 67. Wir kamen, trotz ein paar giftiger kleiner Anstiege ganz gut voran und wären eigentlich kurz nach ½ 1 Uhr da gewesen. Wenn nicht: ein Reh unseren Weg gekreuzt hätte. Alles hat es schon gegeben: zwei Radler kommen mit ihren Packtaschen aneinander und stürzen, ein Auto erfasst einen von uns, ein Absperrpfosten – und die Fahrt ist zu Ende; aber dass ein Reh einen von uns vom Fahrrad holt, das hatten wir noch nicht. Bis heute in Schweden. Ich rede mit Andreas über das Baugebiet im Hessenring und die Baupreise, schaue auf die Uhr und sehe, dass wir den letzten Kilometer in 2.56 Minuten gefahren sind – und dann wird es dunkel – bis Josef neben mir sitzt und mit mir redet. Zwei Männer, die ich nicht kenne fassen mich an den Füßen an und fragen mich etwas in englischer Sprache. Ich brauche ein paar Minuten (oder war es länger) um die Situation zu realisieren. Ein Reh ist mir von rechts ins Rad gesprungen und hat mich umgerissen. Josef hat mit den Helm geöffnet und die beiden Fremden, die sich später als Sanitäter der schwedischen Armee outen, prüfen was mit mir geschehen ist. Weiterfahren geht so nicht (die Vernunft siegt). Außer ein paar Schrammen am Arm scheint aber noch alles heil zu sein. Die beiden Sanitäter verfrachten mich in ihr Auto, Carmen kommt mit – die Räder auf einen anderen Jeep und ab ins Krankenhaus. Die Gruppe setzt ihre Tour fort, isst Mittag, macht eine Eispause und hat später Pech mit zwei Platten und einer verlorenen Schraube. Aber alle kommen gut. Im Krankenhaus werde ich sehr zuvorkommend behandelt. Reaktionen werden überprüft, ein Bluttest und ein CT gemacht und nach vier Stunden ist alles klar: ich darf weiterfahren. Der Arzt bestellt uns sogar ein Taxi und dann geht es nach Örebro. Der Taxifahrer bringt uns unterwegs die Landschaft und sein Land näher und wir freuen uns auf das Abendessen. Josef und Joachim nehmen sich meinem geschundenen Fahrrad an, die Radler haben mir als kleines Trostpflaster eine Tafel Schokolade aufs Bett gelegt und so langsam beginnt wieder Normalität in den Euroradleralltag einzukehren. Gut, dass es kein Elch war.

65,5 (146,0) Kilometer, 297 Höhenmeter, 3.43 Stunden auf dem Rad, 17,55 km im Durchschnitt, 40,4 km Höchstgeschwindigkeit, Höchster Punkt: 144 Meter, 1.434 verbrauchte Kalorien

 

 

24. Mai 2017
von Thomas Will
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17 ist nicht 18 – oder Chaos am Kaffeetisch

9. Tag, Mittwoch, 24. Mai 2017 – Jönköping – Motola

Wer glaubt, dass die Radstrecke am Vätternsee eine flache, gemütliche Sonntagsfahrt ist, der irrt. Aber vorab das Wichtigste: keine Polizei, kein Regen und kein Platten. Also hinein in den Tourtag: wir verließen Jönköping in nördlicher Richtung. Willi, der schon oft an der Rundfahrt teilgenommen hatte, teilte sich die Routenfindung mit den vielen „Garmins“, die mittlerweile auch bei den Euroradlern die klassischen Landkarten im Papierformat (fast) abgelöst haben.

Die kleinen, aber giftigen Anstiege brachten es mit sich, dass unsere Gruppe sich schnell wieder auseinanderzog. Anhalten, kurz warten, aufsitzen – so richtig Zug brachten wir in den frühen Vormittag nicht hinein. Bis zur Mittagspause in Ödeshög wurde es schon besser, fast 63 Kilometer waren pünktlich um 12 Uhr geschafft und auch diesmal fanden wir eine passende Pizzeria. 10 Pizzen für 18 Radler, dazu einen Salat, Softgetränke nach Wahl – wir wurden bestens bedient.

Dass noch ein Kaffee; wir waren mehr als zufrieden. Dietrich verzichtete auf die Pizza (und versicherte uns später, dass sein Sturz ((bei dem nichts passiert ist)) nichts mit einem etwaigen Kalorienentzug zu tun habe) und wir kamen schon kurz vor ein Uhr wieder auf die Straße. Es lief bei strahlendem Sonnenschein bestens und wir waren schon kurz vor 16 Uhr in unserem Hotel in Motola. Jetzt eine gemütlich lange Kaffeepause auf der Terrasse am See. Willi bestellte 15 Kaffee, drei heiße Schokoladen und für jeden von uns ein Kaffeestückchen. 18 hätten es sein müssen, 18 habe ich gezählt – aber am Ende stand Petra leer da. Wer hatte zwei Stückchen gegessen? Nein, Dietrich war es nicht. Ein Blick auf die Rechnung brachte Klarheit: es waren nur 17 Stückchen gebucht (und bezahlt). Ich sollte jetzt erst einmal lernen, mich im Zahlenraum bis 20 sicher zu bewegen (besonders wichtig ist das für den täglichen Besenfahrer; den Job hatte heute Andreas – aber gut: Heinz-Ludwig organisierte das 18te Stückchen (für Petra), aber die hatte sich zwischenzeitlich ein Eis zu ihrer Schokolade geholt. So wurde das 18te Stückchen zu einem Gemeinschaftsstück.

Unsere Räder „schlafen“ heute im Konferenzraum des Hotels, mit traumhaftem Blick auf den See. Wir hatten nach dem (sehr intensiven Einchecken) noch genügend Zeit für einen kleinen Stadt- und Seebummel; das mit dem Schlauch- und Mantelkauf wurde aber nichts (Geschäft schon geschlossen) und so gab es die Chance noch einen Blick in das Automuseum des Hotels zu werfen. Ach ja, beinahe wäre es untergegangen: die Radler, die vor acht Tagen in Bischofsheim gestartet sind, haben heute die 1.000 Kilometermarke geknackt.

110,2 Kilometer, 679 Höhenmeter, 6.16 Stunden auf dem Rad, 17,59 km im Durchschnitt, 44,7 km Höchstgeschwindigkeit, Höchster Punkt: 214 Meter, 2.665 verbrauchte Kalorien

In unserem Hotelmuseum findet sich auch eine Fahrradwerkstatt – Nico hätte hier bestimmt seine Freude.