20. Mai 2015
von Thomas Will
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Gemeinsam am Start – aufgelöst am Ziel

8. Tag,  Mittwoch, 20. Mai 2015  –  Crest – Nimes

LANDSCHAFT MITTWOCHEs war zumindest eine Frage, ob wir am heutigen Tag früher los fahren sollten. Schließlich standen 140 Kilometer auf dem Fahrplan und so ganz konnte man sich nicht sicher sein, ob es abends nicht zu spät werden würde. Da die Windprognose aber günstig war, blieb alles in gewohnten Bahnen: Frühstück an 7 Uhr, Start um 8.30 Uhr. Es war noch empfindlich kalt auf den ersten Kilometer, und daran änderte auch die Steigung nichts, die uns gleich mal beim verdauen des guten Frühstücks half. Noch einmal schöne Ausblicke – in wenigen Kilometern nur noch Flachland. Wir kommen dem Mittelmeer näher. Die Städtenamen machen das unausweichlich klar. Und es geht alles schneller als erwartet. Schon um die Mittagszeit sind wir nach 70 Kilometern in Rochegude. Wir gönnen uns  das Mittagessen auf einer schattigen Terrasse. Noch liegen 70 Kilometer vor uns. Gerhard (2) und Jochen (B. aus G.) sollen heute immer hinter mir bleiben. Jürgen macht den Besen. Wir bleiben als Gruppe eng zusammen. Zwischen- und Wartestopps gibt es fast keine – und so machen wir Kilometer um Kilometer. Orange (bei Kilometer 85) passieren wir gegen 15 Uhr, jetzt wird der Verkehr wieder stärker. In Rochefort du Gard legen wir unsere Kaffeepause ein.

GRUPPE motttwoch Nicht weit vom Cafe (wo es keinen Kuchen gibt) finden Klaus und ich eine kleine – aber toll sortierte –  Bäckerei. Wir organisieren Apfeltorte, Rosinenschnecken und Schokoladenkuchen. Das gibt uns Kraft für die letzten 30 Kilometer. Schön ist anders, aber wir müssen durch. Gewerbegebiete, Autobahnzufahrten und noch mehr Verkehr. Trotzdem sind wir um ½ 7 in Nimes. Jetzt zum Hotel. Im Einbahnstraßengewimmel verpasse ich den Abzweig nach links. Was jetzt? Stimmengewirr: „zurück über den Bürgersteig“, „rechts ab über den Platz“, „links und dann wieder rechts“ – zu allem Überfluss schüttet sich die einige Wolke über Nimes gerade aus. Manchmal kommt eben alles zusammen. Fünf Minuten später sind wir im Hotel, die Räder in der Hotelhalle, 15 Minuten später stehen drei gefüllte Wäschewannen im Flur und wir unter der Dusche. War was? – Beim ersten Bier oder Wein zum Abendessen ist das längst wieder vergessen. Gut, dass auch unsere Busfahrer zur gleichen Zeit ihren Hunger stillen – in Lyon. Es gibt nur einen Unterschied, in Lyon regnet es aus mehr als einer Wolke.

Wir genießen den letzten gemeinsamen Abend und nach der Vorspeise, dem Hauptgang, dem Käse und dem Dessert kommt noch ein kultureller Genuss. Jochen hat in den vergangenen Jahren schon fast überall Klavier gespielt: auf der Fähre, im finnischen Schlafzimmer, in zahllosen Kneipen – aber noch nie in einer Bahnhofshalle: bis heute um 22.30 Uhr. Natürlich ist das Lied aus „Casablanca“ dabei, aber eben nicht in Ricks Cafe (das es ja nicht wirklich gibt) – sondern „nur“ auf der anderen Meerseite. Noch ein Pastis an der Hotelbar und dann war es das für heute.

Jo chen

141,5 Kilometer, 18,2 km Durchschnitt, 58,6 km im Maximum, 7.44 Stunden, 1.001 Höhenmeter, 497 Meter am höchsten Punkt, 1.842 Kalorien

 

 

 

 

 

19. Mai 2015
von Thomas Will
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Ohne die „gelben Engel“ geht es nicht

7. Tag, Dienstag, 19. Mai 2015 – Bourgoin Jallieu – Crest

gelber engelDie Euroradler machen keine Reklame für Automobilclubs, aber bei jeder ihrer Etappen gibt es einen „gelben Engel“. Das ist der Fahrer, der (freiwillig) immer ganz hinten fährt. Er passt auf, dass kein Radler zurück bleibt – gleich ob er fotografieren möchte, einen körperlichen Bedürfnis nachgehen muss oder einfach ein wenig schwächelt. Gekleidet ist dieser Radler eigentlich ganz normal: nur er muss zusätzlich das „Besentrikot“ tragen, dies ist eine gelbe Warnweste, mit einem tourspezifischen Aufdruck auf dem Rücken. Nun ja, das „Besentrikot“ ist nicht immer sonderlich beliebt und so waren heute durchaus ein paar von uns froh, dass Dietrich den Job übernahm. Gerade bei einem anspruchsvollen Streckenprofil erfordert das dies volle Aufmerksamkeit – und dieses Profil war heute Vormittag durchaus vorhanden.
Wir kamen gut in Bourgoin los. Es tröpfelte leicht, Willi und Roland machten sich auf den Weg zum Bahnhof (nein, heute musste keiner von uns Zug fahren, sie wollten die Fahrkarte von Adi zurückgeben). Das klappte gut – und die Kaffeekasse freute sich. Bevor es aber soweit war, wechselten sich rasante Abfahrten (die uns lieber waren) mit ebenso steilen Anstiegen ab. Und so kamen wir zeitlich ein wenig in Verzug mit dem Mittagessen. Vor den letzten Anstieg hatte Roland eine spontane Eingebung. Er schlug vor, den letzten Anstieg im Spurt zu nehmen und im kommenden Ort (Hautervies) schon mal die Pizza zu bestellen. Nun wurde es zwar keine Pizza, dafür aber Nudeln mit zwei kräftigen Saucen und das in einer rekordverdächtigen Zeit. Man müsste überlegen, ob man den „Bestellboten“ nicht zum festen Bestandteil der Tourenplanung macht.

Hund Homepage Nun gut, im Restaurant gab es nicht nur unser Mittagessen, sondern auch einen Hund. Wohin kam er, wo blieb er, wo ließ er sich minutenlang kraulen …… ich könnte immer noch dort sitzen, wenn er nicht eingeschlafen wäre (der Hund). Mit der schnellen Mittagsrast wurde es dann aber doch nichts. Hundert Meter nach dem Start meldete Willi „platt“ – es war schon der zweite Platten (den anderen hatte Klaus) an diesem Tag. Es reicht jetzt. Dafür nahmen wir den nächsten Anstieg mit voller Kraft, ließen uns nach Romans rollen und genehmigten uns einen vorgezogenen Geburtstagskaffee auf Nico, der uns ausdrücklich dazu animiert hatte. Jetzt setzte Rückenwind ein und so schafften wir es binnen zwei Stunden nach Crest – wo man uns im Hotel sogar mit einem nicht geplanten Wäscheservice eine große Freude machte. Natürlich halfen dabei auch wieder Roland bestechend freundliche Gesten und Worte. Ach ja, unser „gelber Engel“ machte seinen Job eigentlich tadelsfrei, wenn da nicht kurz vor Schluss die gelbe Warnweste statt über dem Rücken über der Lenkertasche gehangen hätte. Drei Worte und ein scharfer Blick reichten aus, um aus dem Bengel wieder einen Engel zu machen. Jetzt geht es zum Abendessen. Roland hat zum ersten Mal Gelegenheit aus seiner „Gebrauchsanweisung“ für Südfrankreich zu lesen. Atemlose Ruhe – vieles kommt uns bekannt vor – und jetzt wird es mir bewusst, wir haben in dieser Besetzung nur noch zwei Tage. Und jetzt haben wir auch für das T-Shirt Problem eine Lösung gefunden. Und das hat auch was mit einem Engel zu tun.

115,8 Kilometer, 16,9 km Durchschnitt, 55,4 km im Maximum, 6.50 Stunden, 1.142 Höhenmeter, 478 Meter am höchsten Punkt, 1.755 Kalorien

18. Mai 2015
von Thomas Will
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Irgendwie ist der Wurm drin …….

6. Tag,  Montag, 18.. Mai 2015 – Bellignat – Bourgoin Jallieu

Bild Landschaft MontagWir starten verspätet in den Tag – Roland und Heinz-Ludwig verabschieden sich, um die passende Felge für das defekte Rad zu finden, Willi hat Platten – aber die Sonne strahlt. Wir radeln aus Bellignat – hinein in die schöne Mittelgebirgslandschaft des französischen Jura. Nur noch wenige Kilometer, dann liegt auch dieser Landschaftsabschnitt hinter uns. Noch ein gemächlicher Anstieg, nochmal knapp 700 Meter Seehöhe und dann in rasanter Fahrt hinab in das Rhonetal. Roland meldet sich telefonisch. Das mit der Felge hat nicht geklappt. Er und Heinz-Ludwig fahren Zug – über Lyon bis zu unserem Übernachtungsort. Dort wird man ihnen im Radladen helfen. Wir machen Kilometer. Es ist gerade mal ½ 1 und wir haben schon über 60 Kilometer geschafft. Das Tagesgericht in einer kleinen Gaststätte (Nudeln) gibt uns Kraft für die nächsten Aufgaben. Die Sonne brennt – wer hätte das vor zwei Tagen gedacht. Wir sind an der Rhone. Von hinten ein Ruf der eines klar zum Ausdruck bringt: „Anhalten“. Ich denke (noch an das Gute), es wird ein Bild von der Rhoneüberquerung  gewünscht: weit gefehlt: Jochen (B. aus G.) hat seinen Sattel durchgeritten: gebrochen – aus – er, auf dem er schon mit seinem Steppenwolf durch Finnland und Island geritten ist, hat seinen Geist aufgegeben: also – Materialermüdung heißt das wohl – zwei Metallstützen gebrochen. Wir reparieren notdürftig – für ein paar Kilometer reicht es. In Cremieu verlassen wir die geplante Route und suchen einen Fahrradladen. Jochen (F. aus B.) wird fündig. Während wir uns den zweiten Kaffee genehmigen, machen sich er und Willi auf um Radladen.

Bild Sattel MontagJochen (B. aus G.) kommt freudig zurück. Er hat einen neuen Sattel – jetzt kann es weitergehen. Vor Bourgoin nimmt der Verkehr zu. Wir kommen ohne Umweg und weitere Panne in die Stadt und zum Hotel. Jetzt ist Axel dran: ein Vorderrad verdient diesen Namen nicht mehr. Deformiert ist noch untertrieben. Ein dreifach gedrehter Achter, ein Mantel, der sich in Schlangenlinien windet – jeden Tag etwas Neues. Aber: Roland und Heinz-Ludwig sind ja noch im Radladen. Ein schnelles Telefonat und ein neuer Mantel ist bestellt. Eigentlich reicht es jetzt bis Casablanca mit den Pannen. Eine SMS von Roland, sie sind im Hotel. Gut. Wir wollen los – zum Abendessen. Alle sind da. Nur einer fehlt. Na ja, so eine Tour macht müde. Ein Anruf und schon kann es los gehen.

bild montag Abende.Heute Abend steht Couscous Royal auf  der Speisekarte. Toll. Ein Vorgeschmack auf Marokko. Mitten in Frankreich.

113,1 Kilometer, 18,9 km Durchschnitt, 44,3 km im Maximum, 5.59 Stunden, 418 Höhenmeter, 637 Meter am höchsten Punkt, 1.448 Kalorien