18. Juni 2013
von Thomas Will
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Tag 20 – Dyskalkulie, Sturm und Gruppenfindung

Unterwegs

Irgendwie war der Vorabend ein Signal für den Dienstag, den 20sten Tag der diesjährigen Tour der Euroradler. „Snail oder no snail“, das war im „Caruso“ die Frage. Aus drei Verweigerern wurden schnell vier, aus vier fünf und auch fünf sechs – als dann beim Servieren der Vorspeise noch ein siebter Verweigerer dazu kam, war für die erste Irritation gesorgt – auch bei dem sehr bemühten Personal. Mit dem Lammrücken beruhigte sich zwar die Lage, um bei der Frage nach dem Espresso wieder undurchsichtig zu werden. Ganz klar dagegen die Information von Heinz-Ludwig: am Mittwoch geht es mit Adam zurück nach Frankfurt. Dort erwarten ihn dann 33° C und bestimmt viele Schnaken. Der morgendliche Telefonat mit der „Heimatbasis“ bestätigte dies eindrucksvoll.

Wir machten uns bei Regen und Gegenwind auf den Weg aus der Hauptstadt. Es machte keinen Spaß. Rechts Auto an Auto, links ein Radweg, der immer wieder über Anschlussstellen und Ausfahren führte, und vor uns die erste Steigung im Gegenwind. Schnell waren wir auseinandergerissen. Warten im strömenden Regen und bei Eiseskälte ging nicht. Also weiter bis nach Pingvelli – dort stoßen zwei Erdplatten aneinander und nicht weit davon tagte das erste isländische Parlament.

Info

Für beides hatten wir nicht mehr als ein Foto übrig. Alles an uns war nass. Der böige Wind schlug Steffi die Autotür aus der Hand – direkt an den Spiegel des Nachbarwagens. Dieser gehörte einem Ehepaar aus Alaska (dort ist es zurzeit wärmer als in Island). Wir tauschten die Adressen aus und weiter ging es. Nur vier Kilometer – wir mussten etwas Warmes zu uns nehmen. Eine Tomatensuppe und ein Brötchen. Schnell war der Suppentopf leer. Zu spät –also warten bis „nachproduziert“ wurde. Dann wieder auf die Räder. Jochen fuhr nach rechts, andere riefen „links“ – beides war nicht optimal, und so nahmen wir ein paar Höhenmeter zusätzlich mit. Wieder Gegenwind. Alf und ich versuchten die Truppe zusammenzuhalten. Keinen Ausreißer nach vorne zulassen – den Besen (Karsten gab am ersten Tag sein Debüt, aber wer im Dauerrege über die Tauern fährt, hat auch im Island keine Probleme) nicht aus dem Auge verlieren – nach gut einer Stunde klappte es besser. Jetzt lief es. Wir machten Kilometer. Nach vierzig davon: ein Cafe – wir mussten den Hügel hinauf. Etwas teuer, aber gut. Vielleicht wären manche gerne im Hot-Pot geblieben. Weiter nach Geysir – und wirklich – er tat uns den Gefallen. Es hatte sich gelohnt. Jetzt noch neun Kilometer bis zum Hotel in Gullfoss. Warum schicke ich eigentlich Mails mit der Zimmerverteilung in die Hotels (die auch noch bestätigt werden), wenn bei der Ankunft sich keiner mehr daran erinnern kann?

Abend

Auch egal – erst einmal warm duschen – und dann ein Glas Wein, eine heiße Pilzsuppe, Lachs  – und hoffentlich können heute Abend alle richtig zählen.

Tabelle Tag 20

 

17. Juni 2013
von Thomas Will
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Tag 19 – Nationalfeiertag, Krankenhaus und Werkstatt

Krankenhaus

Der 17. Juni ist der Nationalfeiertag in Island. Ein Datum, das sich zumindest die älteren Euroradler leicht merken können. Reykjavik erwacht an solchen Tagen langsam. Morgens sind die Straßen noch menschenleer und nur ein paar Touristen machen sich auf den Weg. So war es auch in diesem Jahr. Ziemlich alleine standen die Bischofsheimer Euroradler auf dem großen Parkplatz am Hafen und warteten auf den Bus zur Stadtrundfahrt. „Was will man uns denn in drei Stunden alles zeigen?“ war die hörbar und unhörbar meistgestellte Frage in diesem Minuten. Damit das Gezeigte auch verstanden werden konnte, bedarf es einer Sprache, die man versteht. Das geht nicht in isländisch – vielleicht in englisch, aber am besten in deutsch. Da unser Guide aber letztere Sprache nicht konnte, musste schnell eine Lösung gefunden werden. Noch bevor das Problem auftauchte, war sie schon da – in Form von Roland. Er transferierte über knapp drei Stunden (fast simultan) die Geschichte und die Geschichtchen rund um die isländische Hauptstadt. Und auch das Rätsel um die Frage, ob drei Stunden Stadtrundfahrt nicht zu viel sind, war schnell gelöst: man nehme einfach noch die Nachbarstadt Hafnarfjördur hinzu und statte dem Wohnsitz des Präsidenten einen Besuch ab. Das alles ist in Island möglich – keine Zäune, kein Sicherheitstrakt, warum auch – es gibt (fast) keine Kriminalität. Mittags war man sich einig: eigentlich hätte auch Roland ein Trinkgeld verdient gehabt.

Karte

Nach so viel Hauptstadt machte sich eine kleine Abordnung der Radler auf den Weg zu Adam in das Hospital. Die gute Nachricht: am Dienstag darf er das Krankenhaus verlassen, am Mittwoch geht es in Begleitung seines Bruders zurück nach Hause. Mit einem kleinen Bildband und einer herzlichen Einladung zum Nachbereitungsabend verabschiedeten sich die Euroradler, nicht ohne das Versprechen zu bekommen: „Klar bin ich bald wieder dabei“.

Werkstatt

 

Das geschäftige Treiben des Nachmittages nutze man individuell: hier eine Tasse Kaffee, dort zehn bis 15 Ansichtskarten – oder ein Besuch in einem der vielen Souvenirshops. Auch eingekauft werden musste: schließlich geht es ja am Dienstag ins Hochland. Da müssen auch die Räder fit sein – also war „Nicos Werkstatt“ im Hotelkeller geöffnet. Hier musste ein Sattel höher gestellt werden, dort stimmte was mit der Kette nicht ……. es wird Zeit, dass es wieder los geht.

 

16. Juni 2013
von Thomas Will
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Tag 18 – Diesmal war das Wasser von allen gewollt

Gruppe BL

Die Euroradler mögen kein Wasser, zumindest wenn es in Form von Regen fällt. In den Trinkflaschen dagegen sollte es niemals zur Neige gehen. Am Sonntag bekam das Wort „Wasser“ noch einmal eine ganz besondere Bedeutung. Die „Blaue Lagune“, 45 Kilometer westlich von Reykjavik war das Tagesziel. Eine Entfernung, die für die ambitionierten Radler zu kurz ist um auf den Drahtesel zu steigen. Auch Steffi konnte den „Vivaro“ stehen lassen und mit uns den Transfer durch die Gesteinslandschaft genießen. Hinfahren, aussteigen, umziehen und hinein in das warme Thermalwasser. Mit 240° C ist es tief unter der Erde Islands, mit 34 bis 36°C ist es angenehm warm für an vielen Tagen strapazierte Radlerbeine und  -waden. Vergessen die Strapazen der vergangenen Tage, die Anstiege im Gegenwind, der peitschende Regen im Gesicht, die kalten Fingerkuppen an der Schaltung oder die Probleme zwischen dem Sitzpolster und dem Sattel. Einfach nur relaxen war angesagt. Dazu ein fruchtiger Cocktail oder ein „Gull“. Natürlich muss es zu Mittag auch das passende Lunch sein. Gediegen in Bademantel ließ man sich die Leckereien schmecken. Wenn überhaupt etwas die Sonntagsgemütlichkeit störte, dann waren es die nasse Badehose oder das in Bädern übliche Aus- und Anziehprozedere und die Wartezeit beim Ein- und Ausgang. Fazit: wer sich von den doch recht hohen Eintrittskosten nicht abschrecken lässt – der sollte (falls er mal zufällig nach Reykjavik kommt) auch in der „Blauen Lagune“ vorbeischauen.

Essen BL

Und sonst? Die Nacht zuvor war kurz – an einem Samstag feiern die Isländer bis weit in den Sonntag hinein – und an frühen Morgen kommt dann (unüberhörbar) die Straßenreinigung. Ach ja! Nicos gelbe Satteltasche hat sich doch noch eingefunden. Nein – Jochen hatte keine drei Ortliebs auf seinem Zimmer – sie stand die ganze Zeit sicher verpackt in einem Radkarton der Firma Smit (mit sechs Mänteln gemeinsam) im Bus. So ganz mussten die Räder am Sonntag aber dann doch nicht ohne ihre Radler auskommen: am frühen Abend wurden sie im Hotelkeller für die nächsten Tage fit gemacht, schließlich soll es ja am Dienstag mit Muskelkraft weitergehen.