10. Juni 2011
von Thomas Will
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Tag 16 – Auf dem Highway nach Tirana

Möglichst genau sollen bei Radtouren die Kilometer geplant werden. Zehn Kilometer mehr am Abend gefallen keinem Radler. Bei den Touren der Euroradler gelingt diese Planung immer (oft, meistens). In Albanien ist dies aber anders. Von Shkoder nach Tirana sind es nach elektronischem Navigationssystem für Radfahrer 140 Kilometer. Per Hand, nach einer albanischen Karte 115 Kilometer und nach dem freundlichen Hinweis unseres Hoteliers in Shkoder „weniger als hundert“. Er sollte Recht behalten: nach Tacho waren es am Freitag genau 94,6 Kilometer. Aber diese hatten es wieder einmal in sich. Diesmal waren es nicht die Berge, sondern der Verkehr zwischen den beiden albanischen Metropolen. Auto an Auto – und jedes hatte ein freundliches Hupen für uns bereit. Bei der Abfahrt aus Shkoder begleitete uns ein ebenso stark bepackter albanischer Radler. Der hatte kein Stevens, kein Koga, weder Shimano noch Ortlieb und erst recht keine Funktionskleidung aus Gore – aber dafür war er genau so schnell wie wir, schickte uns freundlich nach links und wir machten „Dampf“. Stephan und Josef kämpften 80 Kilometer gemeinsam gegen den Wind und ließen sich nur einmal aus der Fassung bringen, als unsere Hauptstraße in die albanische Autobahn überging. „Bis man uns runterholt wird hier gefahren“ – klare Ansage – und ab. Aber es gab Niemanden, der sich an uns störte. Und so spulten wir Kilometer für Kilometer ab. Eigentlich waren dies die sichersten und lockersten des ganzen Tages. Dafür waren die letzten Kilometer vor Tirana heftig. Schlagloch an Schlagloch, Autos und ihre Fahrer für die nur eine Regel galt: es gibt keine Regeln – und wir mitten drin. Aber wir schafften es bis zum Hotel „Lugano“ und hatten noch Zeit für einen Stadtrundgang und einen Nachmittagskaffee in der albanischen Hauptstadt. Und dann gab es da noch die Gesichichte von Jochen aus G. In unserem Hotel wollte mal wieder jeder Radler am schnellsten auf sein Zimmer. Das gilt natürlich auch für die Radlerinnen. Da unser Haus aber nur acht Zimmer hat (im Nebenhaus standen die weiteren Zimmer zur Verfügung – was das freundliche Personal aber erst am Abend nach einem kleinen Hinweis bewerkte) galt es nun ein Paar zu finden, das ihn aufnimmt. Unser Tagesbesen Alf und Gerhard taten dies ohne (sichtbares) murren.

9. Juni 2011
von Thomas Will
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Tag 15 – Albanien – und die etwas anderen Hotels

Vier Wochen Reiseradeln –jede Nacht in einem anderen Bett, manchmal mit drei oder vier verschiedenen Partnern (aber bitte keine Hintergedanken) auf der Stube (also im Zimmer), da macht man schon viele neue Erfahrungen. Das gilt auch für die Hotels und Pensionen. „Nicht von der Stange“, sondern möglichst individuell, das ist schon das Ziel bei der Auswahl. Da trifft man in Franken schon mal auf den libanesischen „Autonarren“, in Kärnten muss es die Berghütte sein und in Montenegro im Hotel „Oliva“ den Montenegriner mit mindestens einem Schweizer Gen. Auch in seinem Haus wären wir gerne länger geblieben, auch wenn das unserer Reisekasse (vor allem mit Blick auf den hervorragenden Wein) nicht gut getan hätte. Also ab auf die Räder und hinunter zur Küstenstraße. Küstenstraße – immer flach am Strand entlang – Gerhard wusste es vorher (besser). Ab ins Auto zu Helga und Marga. Dafür musste Carmen dort ihren Platz räumen. Dietrich fuhr freiwillig den „Besen“ – den Carmen auf keinem Anstieg (und erst recht keiner Abfahrt) sah. Die Küstenkilometer gingen immer 80 bis 200 Meter nach oben (toller Ausblick) und natürlich auch wieder nach unten. Wenn nur nicht immer die vielen Autos gewesen wären. Nach Bar kam dann unser heutiger „Berg“. Es ging zwar nur auf 225 Meter hinauf, dafür aber steil und in der hellen Mittagssonne. Es folgten 20 Kilometer Genussradeln und schließlich die letzte „bosnische Platte“. „Sechs Portionen für dreizehn Radler“ – die Relation stimmte, wir wurden alle satt. Jetzt zur albanischen Grenze. Montenegro und Albanien haben eine gemeinsame Station (gut!) und dann hatten wir noch knapp zwanzig Kilometer bis Shkoder. Die Regenwolken waren bedrohlich. Die ersten Tropfen fielen – und da waren wir da, in unserem Hotel „Tradita“. Wir waren da – aber unser „Besen“ nicht. Den hatten wir (gemeinsam mit Karl) kurz vor der Stadt verloren. Während bei uns schon der Nachmittagskaffee auf den Tisch kam, kamen Dietrich und Karl. Verständlich, dass ein nasser Besen auch mal leicht säuerlich ist. Kaffee, Tee und ein kleines Gebäckstückchen glichen dies aber sofort wieder aus. Ach ja, die Geschichte mit den besonderen Hotels geht in Shkoder weiter. Wir wohnen in einem Hotel-Restaurant-Museum, dessen Besitzer zu Fahrrädern eine ganz besondere Beziehung hat. Wir konnten uns von dem besonderen albanischen Flair schon einmal bei einem Stadtrundgang überzeugen. Hier prallen wirklich die Gegensätze aufeinander. Hotels, Cafes und natürlich Banken westlicher Prägung und Armut wie sie es eigentlich in Europa nicht mehr geben dürfte. Dies gilt auch für den Umgang mit der Umwelt. Einen ersten Eindruck hatten wir auf unseren albanischen Kilometern zwischen Grenze und Shkoder. In jedem Graben, an jeder Böschung, überall Müll – in einer eigentlich herrlichen Natur.

8. Juni 2011
von Thomas Will
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Tag 14 – Adrenalin

Das Abendessen am Dienstag erinnerte ein wenig an die sozialistische Vergangenheit. Die Suppe wurde uns quasi beim hinsetzen schon serviert, das Dessert stand schon lange vorher auf dem Tisch und das Hauptgericht wurde serviert bevor der Suppenteller leer war. Dazwischen gab es sogar noch einen Salat und der Wein kam, als wir kurz vor der Vorspeise waren. (Adrenalinschub 1) Aber – der war wenigstens gut. Wie dem auch sei – der Empfang im „Leotar“ in Trebinje war nett, freundlich und hilfsbereit – und das Frühstück – von Cornflakes bis zum Tunfisch – ließ keine Wünsche übrig. Dafür hatte Dietrich seine Windweste im Hotel vergessen. Mal sehen, ob wir sie wieder bekommen. Trebinje verließen wir in Richtung Osten und gleich ging es bergan. Bis auf 1.000 Meter – an der Grenze zu Montenegro – mußten wir klettern und zwischen den beiden Grenzstationen lagen noch einmal hundert Höhenmeter. Dann waren wir wieder in €-Land. Nach grandiosen Ausblicken machte uns der Gegenwind zu schaffen – und der Hunger. Was bekamen wir? Weißbrot mit Schinken und ein Ei – na ja. Wenigstens satt wurden wir – auch Karl (?) der zu dem Ei einen Powerriegel verspeiste. Dann ging es weiter. „Links ab -. da geht es nach Risan“, aber Alf und Karl hörten es nicht mehr. Jetzt mußten (durften?) wir die Hauptstraße hinunterfahren. Ein paar Tunnels kamen dazu. (Adrenalinschub 2). Jetzt ging es traumhaft über Risan und Perast nach Kotor. Das Cafe war eine Wucht. Der Apfelkuchen und der Kaffee auch – wenn auch jetzt €-Niveau herrschte. Mit den ersten Regentropfen verließen wir Kotor, eine herrliche Altstadt mit italienischem Flair – nein, das wäre untertrieben. Jetzt noch ein Tunnel, fast zwei Kilometer und Auto an Auto – (Adrenalin 3). Die letzten 15 Kilometer sind (wären) schnell erzählt – Alf machte Tempo, wir hinterher – bis unser Besen Joachim kam und für das hintere Feld eine deutliche Temporeduzierung einforderte. Der Schnitt sank von 26 auf 17, dafür stieg die Regenintensität und wir wurden noch einmal nass. Noch einmal 100 Höhenmeter vor Budva und rein in die Stadt. “Irgendwo links – aber wo?“ – „Verdammt eine Straße zu spät“ (Adrenalin 4) und dann waren wir da. Nass aber zufrieden. Im Hotel „Oliva“ wurden wir freundlich empfangen. Die Garage war bereits offen für unsere Räder. Drei Menüs zu Auswahl – und am Donnerstag nur 89 Kilometer – dafür Albanien – jetzt schon?
Ich glaube, wir wären gerne noch ein paar Tage in Montenegro geblieben. Und gelernt haben wir auch – Montenegro – „Schwarzer Berg“ – ist eigentlich ein Übersetzungsfehler – es müßte richtig heißen: „Schwarzer Wald“.