1. Juni 2011
von Thomas Will
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Tag 7 – Wechseltage bringen Bewegung – Abschiedsschmerz und Ankunftsfreude

Eigentlich müßte man hier Urlaub machen. Beim Frühstück fehlt es uns an nichts. Alles ist da, auch der Blick auf den See. Aber es hilft nichts – wir müssen weiter. Wie selbstverständlich hat man uns wieder die Trikots gewaschen – und dann geht es los. Leider ohne Thomas. Er muss für zwei bis drei Tage in Klagenfurt bleiben und will uns in den ersten Junitagen wieder einholen. Während wir langsam am Wörthersee entlanggleiten, sind Helga, Nico und Marga sowie Karsten und Caro schon auf der Autobahn Richtung Ljubljana. An solchen Tagen drehen sich die Gedanken nicht nur um die Radroute, auch die Autobahnkilometer sind nicht ganz zu verdrängen. Wir überqueren die Drau an der Staustufe bei Ferlach und dann geht es wieder steil nach oben. Der Loibl hat es in sich. Vieles geht nur mit eisernem Willen. Aber wir alle kommen oben an. Stephan macht wieder einmal den Besen. Es scheint, als ob diese Aufgabe dichterisch inspiriert. (Aber davon bei Gelegenheit mehr). Wir durchqueren den Tunnel und sind in Slowenien – unser drittes Land auf der Tour. Eine schnelle Mittagssuppe und dann schnell weiter, den die Gewitterwolken brauen sich über uns zusammen. In Kranj fahren wir in die Altstadt. Im Cafe „Central“ gibt es hervorragenden Kuchen. Dazu Kaffee – der ist zwar „nur“ ein Espresso, dafür aber doppelt gut – auch wenn auf dem Tisch kein „Kaffeeweißmacher“ steht. Man verabschiedet uns freundlich, zeigt uns Nebenstrecken bis zur Hauptstadt und dann haben wir es geschafft. Wir finden das Cityhotel ohne Probleme. Karl ist schon seit drei Tagen hier. Marga, Nico und Helga vor einer Stunde angekommen und auch Karsten und Caro sind um 18.30 Uhr da. Unser größtes Problem ist der Stellplatz für den Anhänger, mit dem die Räder der acht Aussteiger zurückgebracht werden sollen. Aber auch das schaffen wir. Jetzt lassen wir uns die Pilzsuppe schmecken, genießen einen slowenischen Rizling und stärken und mit Steaks, Kartoffeln und Gemüse. Morgen früh werden die Fahrräder verpackt, Willi wird Heiko zum Bahnhof begleiten und Karsten mit „seinem Bus“ um 9 Uhr in Richtung Bischofsheim starten. Wir machen uns dann auf den Weg nach Süden – bis Patras, dann treffen wir Karsten und Caro wieder.

31. Mai 2011
von Thomas Will
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Tag 6 – Vom Schnee bis in den Wörthersee

Herrlich – diese Ruhe rund um die Mehrlhütte. Keiner Autos, keine Flugzeuge, keine Eisenbahn – nur das ein oder andere Schlafgeräusch drang in dieser Nacht aus den Zimmern, doch nach 2.200 Höhenmetern schlief wohl jeder gut. Am Abend war es spät geworden. Ein Radlerpaar aus Österreich war mit dem Mountainbike unterwegs, und dort wo wir aufhören, fängt bei ihnen die Tour erst richtig an. Wir tauschen uns aus, ein Blick in unsere Kompasswanderkarte hilft bei der Planung derTour für die kommenden Tage und auch wir müssen uns auf die weitere Tour konzentrieren. Beim Frühstück sind wir so schnell, dass wir das Müsli mit den kleinen Kaffeelöffeln zu uns nehmen. Ein Gruppenbild auf der Treppe des Hauses, und schon geht es los. Fünf Kilometer zum Einfahren, dann wird es ernst: die Nockalmstraße steht an. So früh am Morgen sind noch keine Autos unterwegs, auch keine Motorräder. Die Natur, die Straße, die Luft – alles gehört uns. Wir genießen jeden Augenblick. Natürlich fließt der Schweiß in Strömen, trotz der empfindlichen Kälte an diesem Morgen – aber gegen 10.30 Uhr haben wir den ersten Gipfel (2.042 Meter) erklommen. Ein Kaffee, eine Buttermilch – die kurze Rast gibt Kraft und einen traumhaften Ausblick. Der erste Touristenbus ist auch (schon) da. Aus Nürnberg. Wir sorgen mal wieder für Staunen – und machen uns auf den Weg in das Tal. 500 Meter geht es abwärts. Die Tachonadel pendelt sich jenseits der „60“ ein und eigentlich könnten wir uns freuen, aber wir wissen: jeden diesen Höhenmeter müssen wir gleich wieder hinauf. Der zweite Nockalmpass liegt ebenfalls jenseits der 2000er Grenze. Also wieder 90 Minuten nach oben. Pünktlich um die Mittagszeit sind wir in der Glockenhütte. Wir stärken uns – jeder wie er mag. Jetzt geht es wieder nach unten. Die Tachonadel geht über die „70“ – solche Abfahrten entschädigen ein wenig für die Leiden des Anstiegs. Unser Tagesbesen Heiko kommt vor Willi an der Ebene Reichenau an. Er wollte einfach seine Bremsen schonen. Jochen hatte schnell eine Hand voll Erinnerungsaufkleber an diese Alpenstraße besorgt – und dabei dachte ich an meine erste Fahrt – vor zwölf Jahren – zurück. Damals mit dem Gespann (das Fahrrad war mit einem Mitläufer verbunden) war der Anstieg deutlich anstrengender und die Abfahrt noch mehr von Sicherheitsinteressen geprägt. Die galt es aber auch jetzt nicht zu vergessen. Mit jedem Kilometer Richtung Klagenfurt nahm der Verkehr zu – ebenso die Temperaturen, und bei der Ankunft im Strandhotel Habisch machte man uns ein Bad im Wörthersee so richtig schmackhaft. Wir ließen uns nicht zwei Mal bitten und – nichts wie hinein in das erfrischende Nass. Toll: gestern noch Schnee, heute südlicher Flair und traumhaftes Wetter, warum fahren wir nach 789 Kilometern eigentlich noch weiter?

30. Mai 2011
von Thomas Will
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Tag 5 – 2.220 Höhenmeter und zwei Alpenpässe

Wenn man manche Tagesetappen schon vorher genau kennen würde, dann würde man sie nicht fahren – vielen von den Euroradlern dürfte genau dieser Gedanke heute Abend durch den Kopf gehen. Dabei waren die Rahmenbedingungen hervorragend: tolles Wetter und den ganzen Tag strahlender Sonnenschein, ein Frühstück in Golling, das Kraft für den Pass Lueg gab, eine Mittagssuppe in der Post in Untertauern, die alles in sich hatte, was Radler so benötigen und eine Kaffeepause in Mauterndorf, die wieder einmal eine leere Kuchentheke hinterließ. Aber der Reihe nach: in Golling verabschiedete man uns sehr herzlich, der Pass Lueg ist ja nicht wirklich einer – aber schon die Strecke bis Radstadt hat es in sich. Immer wieder kleine Steigungen und dann hinauf nach Untertauern. Da mag in so manchem Kopf der Gedanke Platz gegriffen haben, jetzt in den Bus umzusteigen, doch der war um 13.06 Uhr „weg“. Dafür bekamen wir einen Eintopf, der alle zufrieden stellte. Für Hans war diesmal genügend Gemüse drin, für Dietrich zwei Sorten Fleisch – und am Nährwert lag es ganz bestimmt nicht, dass sich die Truppe immer länger auseinander zog. Trotzdem, wir kamen in Obertauern an – da lag sogar noch Schnee – und dann ging es in rasender Abfahrt hinunter zur Murg. Aber so richtig freuen wollte sich keiner von uns auf der Abfahrt, denn wir wussten, dass es noch einmal steil hinauf gehen würde. Bis zur Mehrlhütte waren es noch einmal 700 Höhenmeter. Aber wir kamen an. 2.220 Höhenmeter standen am Abend auf dem Tacho. Natürlich zog sich die Ankunft über mehr als eine Stunde hin, aber das war eigentlich nicht schlecht, denn damit konnte der Stau an der einzigen Dusche etwas eingedämmt werden. Eigentlich sind wir richtig stolz auf uns, genießen das mit Käse überbackene Schnitzel und sind uns einig – trotz der beiden Pässe am Dienstag: bei einem Bier bleibt es nicht. Ein ganz großes davon bekommt Dietrich. Er war heute unser „Besen“. Schon auf normalen Etappen gehört etwas dazu, den ganzen Tag „hinten“ aufzupassen“, bei Alpenetappen ist das schon eine Meisterleistung – wenn das Besentrikot nicht schon gelb wäre, ab heute wäre es golden.