4. Juni 2011
von Thomas Will
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Tag 10 – Von Kroatien nach Bosnien

Es ist nicht viel größer als Niedersachsen – und trotzdem wird uns an vier Tagen keinesfalls langweilig werden. Schon der erste Tag im dritten Land des ehemaligen Jugoslawien hatte es in sich. Morgens im Nebel – noch in Kroatien –bis zur Grenze. Die Formalitäten sind in weniger als fünf Minuten erledigt „alle aus der EU?“ – „Ja!“ und schon lag die Grenzstation hinter uns. Mit uns zur gleichen Zeit dabei: eine Gruppe Motorradfahrer, die fast genau die gleichen Aufkleber von gefahrenen Pässen auf ihren Maschinen hatten wie wir. Der Stolz mit dem wir uns austauschten war – auf unserer Seite – greifbar. Auf dem Weg nach Biahc – rechts die erste Moschee – natürlich sollten auf den noch gut hundert Kilometern noch weitere folgen. In Biahc radelt ein Bosnier ein paar Meter mit. Er war während des Krieges in Ulm uns spricht hervorragend unsere Sprache. Auch er ist überrascht, dass wir mit dem Fahrrad Urlaub in seinem Heimatland machen. Er wünscht uns eine gute Reise, nimmt uns noch ein wenig die Angst vor dem nächsten Anstieg und verabschiedet sich. In Ripac wollen wir noch ein paar Müsliriegel und Obst einkaufen, schließlich geht es jetzt 650 Meter nach oben. Nach der Bahnlinie kommt der Ort – sollte er kommen – war aber schon vorbei und wir fast schon im Anstieg. Also kein Riegel – aber es ging auch so. Harald war einmal mehr als Erster „oben“ Stephan coachte Nico, Jochen und mich, zwischendrin rief Rolf aus Bischofsheim an und wollte etwas zum Sportplatz wissen und so war auch dieser Anstieg für uns kein Problem. Zwischenzeitlich waren wir mitten in der bosnischen Natur. Grüne Hänge soweit das Auge reichte, blauer Himmel (nach den Wolken- und Nebeltagen) und den Hinweis von einer freundlichen Frau an einer Tankstelle in Brusovac, dass es erst in Petrovac/Boisanski eine Möglichkeit gäbe etwas zu essen. Ja, wenn jetzt die Dosenwurst schon da wäre. So geht es in schneller Fahrt zur Mittagsrast. Auf meine Frage was es denn im Angebot gäbe, lautete die Antwort: „Suppe oder Fleisch“ – mit Blick auf die nächsten Hügel und die warme Witterung entscheide ich: „13 mal Pilzsuppe mit Brot – und Apfelschorle“. Karl will seine schon abbestellen – und wirft einen Blick in die Speisekarte. Er entscheidet sich für „Spagetti“ – die gibt es aber nicht – nur „Suppe oder Fleisch“ – gut, dass ich nicht auf jeden Wunsch sofort eingehe. Weiter geht es. Der Himmel verdunkelt sich. In der Ferne sehen wir Blitze. Wir stellen uns unter, bekommen einen kräftigen Kaffee – und fahren weiter. Jetzt trifft es uns. Wir werden zum ersten Mal nass. Was soll es. Es geht hinunter nach Kljuc. Wir kaufen ein wenig Verpflegung für den kommenden Tag – die Riegel müssten jetzt ausreichen, genehmigen uns ein Eis und sind in wenigen Minuten in unserer Pension. Abendessen – jetzt gibt es die bosnische Platte mit Kalbs- und Hühnerfleisch, Leber, Spießen, Reis und Pommes und Salat. Dazu eine Suppe und ein Dessert. Das Abendessen ist eine Wucht, der Wein schmeckt hervorragend, wenn nur am Sonntag nicht ein Tausender warten würde.

3. Juni 2011
von Thomas Will
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Tag 9 – Euro(pa)radler und Europastraßen – passt das?

„Fahrt nach der Grenze gleich nach links“ – wir nehmen den Rat unseres freundlichen Wirtes in Metlika gerne an und radeln nach der kroatischen Grenze noch eine ganze Zeit mit Blickkontakt nach Slowenien. Dort scheint am frühen Vormittag (noch) die Sonne, während sich über Nordkroatien dunkle Wolkenberge zusammenbrauen. Sie drohen uns aber nur – auch am achten Tag unserer Tour können die Regensachen in den Taschen bleiben. Wenn es Josef nicht aufgefallen wäre, hätten wir fast unseren tausendsten Kilometer „überfahren“. Früher war das immer Grund genug für ein Gruppenbild – heute ist es ganz einfach zur Normalität geworden. Wir kommen nach Karlovac, der Großstadt an der Korna. Die Unterschiede im Stadtbild – im Vergleich zu Slowenien – sind schon augenfällig. Wir radeln weiter. Aus der Stadt führt nur die Autobahn, aber da diese nur für Fußgänger gesperrt ist, benutzen wir auf den kommenden sechs Kilometern einfach den rechten Fahrstreifen. Um nach Süden zu kommen haben wir keine andere Möglichkeit, als die Europastraße 59 zu fahren. Laster für Laster donnert an uns vorbei. Der Abstand zwischen Lenkerhörnchen (und damit auch dem Ellenbogen) und Führerhaus bemisst sich meistens nur im Zentimeterbereich, gefühlt manchmal im einstelligen Bereich. An einer Tankstelle die erste Rast, einfach mal weg vom Verkehr. Trotzdem läuft es rund – und das obwohl es fast kein Flachstück gibt. Straßenwelle nach Straßenwelle – das kostet Kraft. Vierzig Meter nach oben, zwanzig Meter nach unten, langsam erreichen wir wieder Mittelgebirgsniveau. Die Mittagsrast bei Kilometer „70“ deckt (einmal wieder) den Fleischbedarf für mehrere Tage. Ich muss nicht erwähnen, wer als erstes auf den Parkplatz eingebogen ist („Ich will Fleisch …..“). Salat und Apfelschorle runden die Pause ab. Am Nachbartisch sitzt eine österreichische Familie. Mittelpunkt des kurzen Gespräches: das heutige Länderspiel. Und dann geht es weiter. In Slunj beindruckt uns das Stadtbild. Das kleine Städtchen ist sehenswert in die Landschaft eingebettet. Wir schrauben uns wieder hundert Meter nach oben und freuen uns auf einen Kaffee. Ob wir einen Palatschinken dazu möchten? Warum denn nicht. Eine gute Entscheidung. UnsereTrikots sorgen bei einer Gästegruppe sofort für Gesprächsstoff. Ein Blick in die Gesichter einiger Mitfahrer nötigt ihnen noch größeren Respekt ab. „Da sind ja einige auch nicht mehr die Jüngsten“ – stimmt, wer mit Mitte 70 noch auf dem Balkan Fahrrad fährt und abends unbedingt wissen will, wohin die Euroradler 2013 fahren, muss schon ein Überzeugungsradler sein. Trotzdem sind wir am Nachmittag froh, im Haus Hodak in Grabovac zu sein. Euroradler und Europastraßen sind nämlich nicht mehr als eine Zweckgemeinschaft – man liebt sich nicht, aber man respektiert sich, schließlich gibt es manchmal keine Alternative. Alf, der heute einen unaufgeregten Besen (letzter Mann mit gelber Warnweste) fuhr, könnte davon bestimmt noch mehr berichten. Berichten kann ich dann auch über unseren zweiten Zuliefertransport. Nach „Karsten/Caro – Ljubljana“ heißt es jetzt „Steffi – Mostar“. Nicht nur, dass sie neues Kartenmaterial und viele Ersatzteile für unsere Räder bringt, zwischenzeitlich wurden auch zwei Dosen hausmacher Wurst – aber bitte mit Dosenöffner – geordert. Um Gerüchten gleich vorzubeugen – Fleisch und Wurst gibt es bisher genug. Aber auch über die Bischemer Wurst und die Gründe: morgen mehr.

2. Juni 2011
von Thomas Will
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Tag 8 – Viele Rad- und dynamische Autofahrer


Eigentlich benötigen Radfahrer keinen Wecker. Wenn es draußen hell wird, dann beginnt ein typischer „Wachwerdreflex“. An Tagen wie in Ljubljana kommen dann noch ganz bestimmte Faktoren dazu. Das ist das Frühstücksbuffet, das bereits ab 6 Uhr angeboten wird, da ist die auf 7 Uhr festgelegte „Verpackzeit“ für die Fahrräder und da ist natürlich auch der Abschied von den Radlern, mit denen wir in der vergangenen Woche fast 900 Kilometer gemeinsam zurückgelegt haben. Sie machen sich um 8.30 Uhr auf den Weg nach Bischofsheim. Willi und Heiko nehmen die Bahn – es gibt einen durchgehenden Zug bis nach Darmstadt – Bernd, Jochen, Hans, Gerhard, Jürgen und Axel machen sich mit Karsten und Caro auf den Weg zurück in die Mainspitze. Zum ersten Mal ist „unser“ Anhänger richtig im Einsatz. Unser Gespann macht schon was her. Wir rollen nach dem obligatorischen Bild vor dem Hotel und herzlichen Abschiedsszenen an – wollen uns auf den Weg durch die Altstadt machen – da erschallt das Signal (das Radler überhaupt nicht gerne hören): von hinten ruft es „stoooooopp“ – mit einem noch länger gezogenen „o“. Anhalten, Fahrrad abstellen, Nachfragen – „Regenkleidung vergessen“! Ein Blick auf das Fahrrad zeigt es: nicht als das Lenkertäschchen ziert das schwarze „Stevens“. Na klar: Marga und Helga sind ja jetzt mit ihrem privatem Auto dabei und schon gibt es „Abwerfer(innen)“. Um ehrlich zu sein: es hält sich in Grenzen: der Platz im Kofferraum ist einfach zu klein. Wie dem auch sei: die Regenkleidung ist zwischenzeitlich da und wir können losfahren (Anmerkung: natürlich hat es den ganzen Tag nicht geregnet). Keine fünf Minuten später: Wir müssen links ab, die Hauptstraße nach Süden. Doch dort steht: „Verboten für Fahrräder“. Ein netter Polizist fragt seinen netten Vorgesetzten, der macht eine zustimmend lässige Handbewegung und wir fahren endlich los. Es läuft jetzt endlich gut an diesem Vormittag, bis bei Karl ein Riss in der Felge diagnostiziert wird, Dietrich einen Platten am Hinterrad hat und bei Rudi etwas mit den Zügen nicht in Ordnung ist. Ich frage mich, was wir eigentlich die sieben Tage vorher gemacht haben – als Nico (der in seinen Taschen so etwas wie eine fahrende Werkstatt dabei hat) noch nicht dabei war. Jetzt stellt sich aber heraus, dass auch Josef genügend Material auf der Tour mit dabei hat um helfen zu können. Wir fahren aber auch Fahrrad an diesem Tag – und das durch das schöne Tal der Krka. Es erinnert ein wenig an die Weser und als wir zum Mittagessen in einer Pizzeria in Straza anhalten, fühlen wir uns fast wie zu Hause – die junge Wirtin erklärt uns in bestem deutsch, dass sie viele Jahre in Biebrich gewohnt hat und Mainz und Wiesbaden bestens kennt. Klar, die Pizza hat geschmeckt, das alkoholfeie slowenische Bier braucht noch ein paar Tage Gewöhnung – aber jetzt geht es weiter: Nove Mesto – und dann noch einmal 450 Meter nach oben. Auch das schaffen wir leicht und genehmigen uns darauf eine gute Tasse Kaffee. Auch hier findet man unsere Europaradaktion toll und wünscht uns viel Glück. Das braucht man in Slowenien manchmal auch. Es gibt viele Fahrradfahrer und in den Städten viele Radwege – es gibt aber auch viele Autos und (aus Sicht eines Radfahrers) viele rasant fahrende Autofahrer – was aber auch für Busse gilt, die bei „rot“ nicht immer vorhaben anzuhalten – außer: sie werden von einem Radfahrer dazu gezwungen. Wir kommen „früh“ in Metlika an. Unser letzter Abend in Slowenien. In vier Kilometern beginnt Kroatien. Aber dazu am Freitag mehr.
Heute genießen wir das Abendessen. Schinken, Melone, Oliven – dazu ein Slivovka, Salat (wir haben noch immet keine Angst !), Nudeln mit einer tollen Hackfleischsauce – jetzt noch das Dessert – aber: Karsten ruft an – sie sind seit 19 Uhr zu Hause, die Rückfahrt lief ohne Probleme. Danke für die tolle Begleitung – und auf Wiedersehen in Patras. Jetzt schmeckt das Dessert noch besser – und dazu ein Glas Wein aus der Region. Übrigens: Wein aus Slowenien – mehr als nur ein Geheimtip.