4. Juni 2007
von Thomas Will
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Tag 20: Schneesturm am Ätna

Wer nicht dabei war glaubt es nicht. Der Tag begann für die Euroradler mit viel Regen und Wind. Beim Frühstück immer wieder der bange Blick aus dem Fenster des Rifugio Sapienza. Mit jedem ersten Blick kam etwas mehr Hoffnung auf, mit jedem zweiten Blick schwand sie wieder. Dann ein Anruf von Andrea unserem Bergführer. Das Wetter sei zu schlecht. Die Verantwortung zum Gipfel zu gehen zu groß. Warten. Eine Stunde später kam die Erleichterung. Mit der Seilbahn bis auf 2.500 Meter fahren sei möglich, ein Anstieg auf 2.650 Meter verantwortbar und der Abstieg über den Tunnel und den Krater 2001 ebenfalls. Also legen wir die schwere Bergkleidung an. Stiefel und Winterjacken, Regenhosen und Handschuhe – und dann geht es los. Kaum sind wir aus den Sechser-Gondeln ausgestiegen bläst uns der Wind entgegen. Aus dem Regen ist längst ein dichtes Schneetreiben geworden, aber wir steigen unverdrossen weiter. Der Neuschnee liegt hier schon 15 Zentimeter hoch und darunter feinste Lavaasche. Wir versinken stellenweise knöcheltief, kommen aber gut vorwärts.Dann ist unser Bergführer verschwunden. Wenige Augenblicke später winkt er uns aus einem Erdloch zu. Er ist im „Tunnel“. Er animiert einige ganz mutige Euroradler, sich auf dem Rücken liegend, durch den engen Schacht aus Lavagestein zu zwängen. Die, die es tun bereuen es nicht. Der „Tunnel“ ist eine richtige Höhle, die durch ins Tal strömende Lavamassen entstanden ist. Natürlich kommen wir auch wieder heraus. Zwei Stunden später sitzen wir im Rifugio, genießen eine kräftige, warme Gerstensuppe und sich um viele neue Eindrücke reicher. Den Nachmittag gestalten die Euroradler sehr individuell: lesen, schlafen, ausruhen, reden, Kaffee trinken, telefonieren, Postkarten schreiben – nur Horst, unser „HiPlaFi“, denkt an den morgigen Tag und wirft einen Blick auf die Räder, einen Blick der ihm nach wenigen Minuten schwarze Finger beschert – natürlich, denn es gibt immer was zu schrauben oder zu reparieren.
(Eine Tabelle mit Fahrtangaben gibt es wieder am morgigen Dienstag, nach unserer Tour nach Enna)

3. Juni 2007
von Thomas Will
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Tag 19: Wir sind oben – Aus dem Regen in die Sonne

„Wer duscht denn schon um 6 Uhr?“ – war die Frage, die sich so mancher Euroradler am frühen Morgen stellte. Die Antwort war so klar wie erschreckend: Niemand duschte, es regnete. Das sollte auch so bleiben. „Wollen wir den Start um eine Stunde verschieben?“ war die nächste Frage – und die Antwort genau so klar: „Nein“. Also die schwere Regenkleidung anziehen und los fahren. Und gleich nach „oben“. Nach Castiglione waren es nur 5 Kilometer, dafür aber 400 Höhenmeter. Jetzt ließ der Regen langsam nach, dafür wurde die Regenkleidung von innen nasser und nasser. Dann der erste „Stopp“. Uwe hatte einen Platten am Vorderrad. Der war schnell behoben und es ging weiter. Nach zehn Minuten der zweite „Stopp“. Einer der vielen streunenden Hunde war in das Fahrrad unseres „Besenmannes“ Jürgen gelaufen. Hüfte, Arm und Schulter taten im weh, der „Cut“ unter dem Auge war wieder aufgegangen und wir verarzteten ihn. In Windeseile war eine Krankenwagen zur Stelle. Der nette Mediziner assistierte. Polizei kam hinzu. Der Polizist stammte aus Freiburg – und nach einem netten Smalltalk konnte es weiter gehen. Jürgen bis auf die Zähne und blieb bis zum Abend unser Besenmann (klasse Leistung!). Wir legten in Zafferana eine Mittagspause ein, stärkten uns mit Pasta und dann ging es los. Von 574 Meter Seehöhe auf 1.910 Meter – und das aus 17 Kilometer. Um 13.50 Uhr ging es los. Die ersten Euroradler waren um 16.12 Uhr „oben“. Binnen einer „sehr guten Stunde“ hatte es auch unser Besenmann geschafft alle Radler zum Pass „zu treiben“. Besonders erfreulich für uns – die Auffahrt wurde von der Sonne und einem herrlichen Blick zum Ätna gekrönt. Unser Busfahrer Gerhard konnte heute Fremdenführer spielen. Mit der „Damenriege“ und einem Mitfahrer ging es nach Taormina. Dort hieß es dann auch endgültig von Jochen Abschied nehmen, der heute Nacht nach Frankfurt zurück fliegen muss. Wir freuen uns auf den Abend und die Nacht im Rifugio Sapienza und die Tour am Montag zum Krater.

2. Juni 2007
von Thomas Will
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Tag 18: Vom Stiefel nach Sizilien

Heute standen die letzten Kilometer auf dem „Stiefel“ auf dem Programm. Das Frühstück in Nicotera haben wir mit etwas Käse und Weißbrot „bereichert“ und dann ging es los. Karl legte sich mit Blick auf den kommenden Autoverkehr eine Mundmaske an und dann starteten wir gen Süden. Zwanzig Kilometer „flach“, doch dann steil nach oben. Wer meint, dass eine Küstenstraße etwas zum ausruhen ist, der täuscht sich. Eine kleine Stärkung auf dem Gipfel und dann in rasanter Fahrt bergab nach Bagnara. Und jetzt die Schrecksekunde. Unsere SS 18 war gesperrt. Ein freundlicher „Bagnarer“ (oder so ähnlich) gab uns ein Handzeichen, dass wir einfach weiter fahren sollten. Das taten wir natürlich auch. Und jetzt konnten wir die letzten 25 Kilometer bis San Giovanni richtig genießen. Ein herrliches Panorama, auch wenn der Nebel langsam über die Südspitze Italiens zog. Wir fanden den Weg zur Fähre, setzten in wenigen Minuten nach Messina über (für 50 Cent pro Person und Fahrrad!) und setzten unsere Fahrt – leider jetzt im Regen – fort. Ob es an der neuen Zimmeraufteilung lag oder am Wetter oder am „Samstagsfieber“, ein gemeinsames „Gruppenrollen“ war auf der Küstenstraße Richtung Taormina schwierig. Trotzdem schafften wir es kurz nach 18 Uhr gemeinsam im Hotel anzukommen. Nur Klaus „Maria“ hatte den „Spurt angezogen“ und konnte so unsere neuen Teilnehmerinnen als erster begrüßen. Hanne, Marietta, Marga und Carmen waren zuvor von Gerhard (der heute wieder einen Beifahrer hatte) am Flughafen in Catania abgeholt worden. Morgen, wenn wir im Ätna starten ist Gerhard auf keinen Fall mehr alleine im Bus. Vier „starke“ Begleiterinnen sind in der kommenden Woche immer dabei. Ob aus der aktiven Radlergruppe jemand dazu kommt – mal sehen. Heute heißt es auch Abschied nehmen. Jochen macht es uns schwer. Bei einem Klavierabend mit (viel) Grappa spielt er noch einmal für uns – time to say good bye.