1. Juni 2007
von Thomas Will
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Tag 17: Später gestartet – früher angekommen

Eigentlich sollte es wieder pünktlich um 8 Uhr losgehen. Die Räder waren gepackt, die Wasserflaschen dank Gerhard gefüllt und die Hotelrechnung bezahlt. Bernd und Horst zeigten sich aber nicht gerade überzeugt, was die dauerhafte Funktionsfähigkeit von Haralds Schaltzug anging. Also schnell in den Fahrradladen neben dem Hotel – und in wenigen Minuten war der Schaltzug ausgetauscht – für 2 € inklusive Material und Arbeitslohn. Und jetzt ging es los. Weiter auf der SS 18 durch Kalabrien. Die Kilometerangaben für Reggio wurden immer geringer und nach gut einer Stunde und genau 30 gefahrenen Kilometern meinte Jürgen im vorbeifahren „bolz doch nicht so“ – um die kommenden 30 Kilometer an der Spitze im gleichen Tempo zu fahren. So waren wir bereits kurz nach 11 Uhr in Pizzo, gönnten uns zwischen hupenden Autos einen Kaffee und mussten danach 500 Höhenmeter überwinden, um nach Vibo Valentia zu kommen, immer mit einem herrlichen Ausblick auf das Meer. Hier oben gab es Pasta in drei Varianten – aber ganz bestimmt ohne „Arabiata“, denn die Erfahrungen vom Vortrag machten Stephan und Bernd noch viele Stunden danach ganz schön zu schaffen. Schaffen mussten wir jetzt nur noch die letzen dreißig Kilometer, und als wir die Stadtgrenze hinter uns gelassen hatten war es, mitten durch alte Olivenbaumanlagen und durch Dörfer in denen die Zeit stehen geblieben schien – ein herrlicher Abschluss einer „Halbtagesfahrt“, auch wenn dabei immer wieder Gedanken aufkamen, die sich mit der Armut der Menschen in Kalabrien beschäftigten.

31. Mai 2007
von Thomas Will
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Tag 16: Endlich am Meer – 2.000 Kilometer im Sattel


In der Nacht hatte es noch einmal geregnet. Es war richtig kühl, als wir uns – nach einem guten Frühstück – auf den Weg nach Südwesten machten. Noch hatten wir unsere Radwesten über den Trikots und an manchen Beinen bildete sich eine Gänsehaut – ob von der morgendlichen Kühle oder den letzten Tunneldurchfahrten – blieb letztlich unbeantwortet. Mit jedem Kilometer wurde es aber wärmer und die Spannung stieg. Dann, kurz vor Praia a Mare, ein Schrei: „Da ist es“ und wenig später: „Jetzt bieg doch mal rechts ab – wir wollen ans Meer“. Nach 1.991 Kilometern und sechzehn Tagen im Sattel hatten wir es geschafft: Italien präsentierte sich von der Bilderbuchseite, wie wir ihn uns aus Hochglanzprospekten seit den fünfziger Jahren vorstellen: Sonne, Strand, azurblaues Meer und ebenso blauer Himmel mit ein paar Schönwetterwolken. Jetzt machten wir uns aus den kommenden einhundert Kilometern bis Amantea einen richtigen Spaß. Auf der Hauptstraße richtig Gas geben (geht das denn mit dem Fahrrad?), immer so zwischen 22 und 26 Kilometer (manchmal auch schneller) und dazwischen ein paar Abstecher in den Küstenorte, erst um die Tunnels der Hauptstraße zu umfahren, später auch mal „einfach nur so“ um wieder um hundert Höhenmeter mitzunehmen. Dazwischen Mittagsrast in Guardia mit Spagetti die so scharf waren, dass Bernd und Stephan überhaupt nicht fassen konnten und Walter das erste Bad im Mittelmeer nahm. Unsere Kaffeepause ließen wir einfach ausfallen und radelten so schnell in unser Hotel, dass Gerhard, der an diesem Tag keinen Beifahrer hatte, es überhaupt nicht fassen konnte. „Was wollt ihr denn schon hier?“ – meinte er von seinem „Italien Baedeker“ aufblickend und freute sich mit uns auf einen gemeinsamen Nachmittagskaffee im Hotel. Aber auch das war nicht so einfach. Die Kaffeestückchen mussten erst organisiert werden. Stephan griff sein Fahrrad, einmal durch die Hotelhalle getragen, zum Hintereingang hinaus und ab in die nächste Patisanierie. Nach zehn Minuten war er mit einem ganzen Tablett Kuchenteilchen wieder da. Horst, der sich selbst gerne als unseren „Hlfsplattenflicker“ bezeichnet, nutzte die Zeit um einen Blick auf das Rad von Harald zu werfen. Alles in Ordnung. Ach ja – täglichen die Höchstgeschwindigkeitsangaben beziehen sich auf das Fahrrad des „Posters“. Selbstverständlich hallten alleTeilnehmer der Sizilienfahrt ihre familiär vorgegebenen Höchstgeschwindigkeiten penibel genau ein.

30. Mai 2007
von Thomas Will
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Tag 15: Zielort war nicht das Ziel

Gerhard hatte heute keinen neuen Rekord zu vermelden. Nur drei Mitfahrer waren an Bord, als wir uns um 8.40 Uhr auf den Weg nachten. „Besenmann“ war einmal mehr Joachim, der diese Aufgabe übernahm, da heute kein Radler freiwillig „am Ende“ fahren wollte. Also ging es munter bergan. Wir kamen schnell auf 400 Meter Seehöhe und freuten uns noch einmal an den herrlichen Landschaften Süditaliens. Immer wieder bergan, bergab, zwischendurch eine Banane und so machte uns das Valio di Diano Richtig Spaß. Den hatten wir auch beim Mittagessen, als eine Pizza n nach der anderen verspeist wurde. Die Temperaturen erinnerten mehr an den Kraichgau und so musste mehrmals für kurze Zeit Regenkleidung angelegt werden. Wir hätten es schaffen können, vor 18 Uhr am Ziel zu sein. Da unser Hotel aber nicht im Zielort lag, sondern an der Hauptstraße unterhalb es Ortes, „kletterten“ wir erst einmal 300 Meter nach „oben“ um herauszufinden: hier gibt es kein „La Quiete“. Bernd kam auf die Idee bei Gerhard anzurufen und dann war klar. Aus der Bergfahrt wurde sofort wieder eine Talfahrt. Macht nichts. Kilometer und Höhenmeter zählen – und morgen sehen wir endlich das Meer. Zehn Tage durch Italien fahren, ganz ohne Meerblick, dass soll uns erst einmal jemand nachmachen. Das gilt auch für das Abendessen. Nach einem Vorspeisenteller und Ravioli und Reis mit Waldpilzen ist man eigentlich schon satt. Aber es kommt ja noch der Hauptgang und das Dessert ….