8. Juni 2013
von Jochen Frickel
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Die ersten 10 Tage – eine Bilanz

Die erste Phase der EuroRadler-Tour 2013 ist Vergangenheit. Die Warmduscher und Weicheier sind ausgestiegen und befinden sich auf dem Heimweg. Die härtesten der Harten sind jetzt auf See und setzen den Kampf ab Dienstag auf Island fort.
 
Hier folgt der Rückblick eines Weicheis auf die ersten 10 Tage.

Wer treibt so manchen Radler-Opa
zu fernen Zielen in Europa
bei Regen, Sturm und Sonnenschein?
Das kann doch nur der Thomas sein!

Ich wollt‘  es diesmal anders machen
und meiden die extremen Sachen.
Als EuroRadler-Veteran
geh ich‘ s  halt gern gemūtlich an.

In Island – weiß man – ist es kalt.
Kein Baum, kein Strauch, schon gar kein Wald.
Dort gibt’s nur Asche vom Vulkan,
statt Weizenbier gibt´s Lebertran.

Ich würde nur bis Hirtshals fahren
und mir den ganzen Stress ersparen.
Der Weg meist flach und recht bequem,
mit einem Wort: Sehr angenehm.

Ein laues Lüftchen weht von Süden,
und ich roll‘  lässig und zufrieden
im Sonnenlicht durch Sommerwiesen
und kann es richtig schön genießen.

So etwa stellte ich’s mir vor …
Ach, weit gefehlt, du alter Tor!
Denn wie es lief, die ersten Tage,
das war nun wirklich schlimmste Plage.

Am Anfang war man noch ganz munter,
dann ging’s im Taunus rauf und runter.
Das brachte Extra-Kilometer –
es wurde spät und immer später.

Die Stimmung war schon leicht be…scheiden.
Man freute sich auf weiche Kissen.
Die Illusion war schnell vorbei –
stattdessen hieß es: Ab ins Heu!

Der zweite Tag war echt brutal.
Es fehlten Paddel am Pedal!
Im Sturzbach war man völlig schutzlos,
selbst Gummikleidung war da nutzlos.

Dazu ein mittlerer Orkan,
der warf uns mehrfach aus der Bahn,
und außerdem und obendrauf
ging es noch ständig steil bergauf.

Am dritten Tag hab‘ ich gekniffen,
als Thomas morgens hat gepfiffen.
Zur Strafe musst‘ mein Rad ich schleppen
dann über viele Bahnsteigtreppen.

Am vierten Tage wurd´ es tierisch.
Die Kälte war schon fast sibirisch,
und dauernd dieser Wind – frontal –
das schlägt schon sehr auf die Moral.

So ging es noch zwei Tage weiter.
Der Wind blieb ständiger Begleiter.
Von hinten kam er leider nicht,
er blies uns immer ins Gesicht.

Wer hat mich bloß hierher gelockt?
Wer hat mir all dies eingebrockt?
Da fällt mir jetzt nur einer ein:
Das kann doch nur der Thomas sein!

Und trotzdem kann ich heute sagen:
Wir mussten uns zwar tüchtig plagen,
doch Spaß und Team-Erlebnis pur
gibt’s nur auf so ’ner Euro-Tour!

Und endlich hat der Wind gedreht,
die Sonne hoch am Himmel steht.
Viel schöner ist da gleich die Welt –
so hab‘ ich mir das vorgestellt!

Zuletzt verläuft die stille Piste
direkt an Jütlands Nordseeküste.
Weit reicht der Blick, die Luft ist klar –
das Leben ist doch wunderbar!

Und wenn vielleicht dann in zwei Jahren
die Radler Richtung Süden fahren,
auf wen fall‘ ich wohl wieder rein?
Das kann doch nur der Thomas sein!


Macht’s gut, Freunde – es war wieder toll mit euch! Ich drücke sämtliche Daumen für eine Super Islandtour!

8. Juni 2013
von Thomas Will
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Tag 10 – Es geht nicht mehr weiter, wir stehen am Meer

Es ist alles ein wenig kleiner, ein wenig kürzer – der zehnte Tag unserer Tour ist kein „richtiger“ Euroradlertag. Dafür ist die Tagesetappe einfach nicht lang genug. In Lokken werden wir herzlich verabschiedet. Als kleinen Dank lassen wir ein Originaltrikot von uns zurück.

Euroradler 2020

Der Sohn der Familie zieht es gleich über – vielleicht wäre er auch gerne mitgefahren. Wir machen uns (ein wenig in Gedanken) auf den Weg. Links die Nordsee, wo Thomas (der aus Mainz), Roland und Joachim gestern noch badeten, rechts Wälder und Heidelandschaften. Die Sonne lacht – wie seit dem ersten Tag in Dänemark. Wir kommen gut voran, aber wollen wir das eigentlich? Nach 27 Kilometern heißt es nämlich endgültig Abschied nehmen.

Abschied

Joachim, Willi, Thomas (der aus Mainz), Harald, Jürgen, Juan und Walter zieht es zurück nach Hause. Sie haben mit dem Fahrrad noch acht Kilometer bis Hjoerring und dann warten 18 Stunden Bahnfahrt auf sie. Uns zieht es weiter nach Norden – schnell sind wir in Hirtshals. Harald, Steffi, Carmen, Jochen B. und Adam warten schon. Mit unserem Bus und dem großen Anhänger sind sie an zwei Tagen aus der Mainspitze gekommen. Auch Jochen F. verabschiedet sich von uns.

Abschiedsblumen

Noch ein letztes Gedicht an unsere Besenfrau Petra und dann macht er sich (alleine) auf den Weg nach Göteborg. Wenigstens hat er meine Landkarte mitgenommen – aber Jochen wird Schweden schon erreichen. Übrigens: da waren die Euroradler auch noch nicht. Wir packen Bus und Hänger um. Der Anhänger bleibt in Dänemark, in drei Wochen holen wir ihn wieder ab um mit ihm unsere Räder nach Hause zu transportieren.

Auf der Straße

Mit einem Kupplungsschloss haben wir ihn gesichert. Damit auch die Plane nicht geöffnet werden kann, hat Jochen B. ein kleines Bügelschloss mitgebracht (Danke!). Den Schlüssel dafür hat er aber gleich bei der Anfahrt auf die Fähre verloren – mal sehen wie wir das Problem in zwei Wochen lösen. Carmen und Steffi kaufen noch schnell drei Liter Öl für unseren Bus und dann ab zum Hafen. Wir können direkt durchfahren, stehen in der ersten Reihe. Vor uns nur ein Fernradler aus Gera (und ein Holländer) und dann kommen wir. Wir dürfen sofort an Bord – mit unserem Bus. Steffi (sie wird auf Island unseren Bus chauffieren)  tauscht für ein paar Minuten das Lenkrad mit dem Fahrrad von Harald. Ich glaube, das macht sie während der kommenden drei Wochen nicht mehr. Wir packen (gefühlt zum fünften Mal) den Bus um. Alf sucht seine blaue Tasche – Nervosität steigt auf – dann findet er sie – als Puffer zwischen zwei Rädern. Wir schaffen es in unsere Kabinen. Wochenende – ausruhen, Kraft tanken, auf Island einstimmen. Carmen hat Hunger (ich auch) – noch sind wir in Dänemark, und was gibt es da mittags für Radfahrer? Richtig: Pizza. Das war aber jetzt wirklich die letzte während unserer Tour (zumindest in Dänemark).

Tabelle Tag 10

 

7. Juni 2013
von Thomas Will
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Tag 9 – Mit dem Rückenwind nach Lokken

9 Tag Defekt

Noch eine Portion Salat, noch ein Stückchen Kasseler, dazu ein Glas Wein und zum Dessert ein paar (toll) gereimte Verse von Jochen. Ein Abend mit Carmen im Tigerpalast als Geschenk, Geburtstagtage mit der Radlergruppe sind doch etwas ganz besonderes. Aber dann holt mich das „Geschäft“ doch ein. In Bischofsheim tagt zur gleichen Zeit die Gemeindevertretung und ihr Vorsitzender gibt seinen Rücktritt bekannt. Hugo Berg hatte das Amt Ende der achtziger Jahre von Willi Nutz übernommen und beinahe ein viertel Jahrhundert inne. Unsere politischen Biographien in Bischofsheim verliefen über viele Jahre eng verzahnt – 1986 hatten wir miteinander um den Vorsitz der SPD kandidiert. Jetzt ist also Schluss, eigentlich schade, Hugo hat sich in seiner Zeit viele Verdienste erworben – wie es weiter geht müssen jetzt die sehen, die heute Verantwortung tragen. Während ich noch darüber nachdenke und langsam müde werde, kümmern sich draußen Thomas (der aus Mainz) und Roland um unsere Wäsche. Toll, am nächsten Morgen lag sie schön sortiert auf dem Tischen. Frühstück – Betten abziehen – und los. Wir haben Rückenwind. Aber schon nach zehn Kilometern der erste Halt. Bei Thomas (dem aus Mainz) ist eine Schraube locker –  also: natürlich bei seinem Fahrrad. Das Problem ist schnell behoben. Ein Blick auf den Hafen von Nykobing und weiter zum Feggesund. Joachim und Dietrich machen Tempo. Wir sind pünktlich um 11 Uhr dort. Die Fähre fährt aber um fünf vor – also warten – aber nur zehn Minuten. Dann sind wir drüben. Eine Baustelle kann uns nicht stoppen. Jetzt wird der Rückenwind noch stärker. Ich mache Tempo. Neben uns die Lastwagen, hinter mir Alf mit seiner „surrenden“ Schaltung. Gegen beides helfen nur die Stöpsel des MP3-Players.

9. Tag GRuppe

Mit Musik geht es noch schneller. Wir sind in Fjerritslev. Natürlich Pizza – diesmal mit Salat – Joachim hat sich durchgesetzt. Heute isst sogar Petra wieder mit. Noch ein Eis und es geht weiter. Die Landschaft wird wieder „mittelgebirgsähnlicher“, obwohl die Hügel nur ein paar Meter hoch sind. Ein letzter Kaffeestopp in Pandrup – und wir sind da. Ganz freundliche Begrüßung in der Villa Strandly – keine Hektik bei der Zimmeraufteilung – und schon klingelt das Handy. Carmen ist dran. Die Busfahrer sind in Arhus. Keine Probleme bei der Fahrt, eine Mittagsrast vor Hamburg, eine Kaffee- und eine Tankpause und das alles in nicht mal zwölf Stunden. Morgen sehen wir uns in Hirtshals. Dann heißt es auch Abschied nehmen von acht Mitradlern, die sich mit dem Zug zurück auf den Weg nach Bischofsheim machen. Aber: jeder Abschied ist vielleicht auch ein neuer Anfang – beim radeln und in der Politik.

AE Lokken

Bevor es aber soweit ist, können wir gemeinsam das tolle Abendessen genießen. Die Salate schmecken, das Fleisch ist ein Gedicht und dann noch ein kleines Dessert und Kaffee – Radlerherz was willst du mehr.

 

Tabelle Tag 9