16. Juni 2011
von Thomas Will
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Tag 22 – Abschied in der Tiefgarage – Regen vor Olympia

Klaus „Maria“ konnte fahren – mit dem Fahrrad. Zwar fand sich Gerhards Schlüssel trotz intensiver Suche nicht, auch wusste man in Patras mit dem Begriff einer „Knollepetz“ nichts anzufangen, doch ein ganz normaler Trennschleifer tat es auch – und schon hatte das Fahrradschloss seine Sicherungsfunktion aufgegeben. Vierzehn Radler(innen) waren wir noch auf dem Weg nach Olympia. Zuvor hieß es Abschied nehmen von Helga, Marga, Karl und Nico. Sie machten sich am Nachmittag mit der Fähre zurück auf den Weg nach Ancona. Natürlich gab ich ihnen einen kleinen Tipp, wo es 2013 hingehen soll – traditionell wird dies aber immer erst am letzten Radlerabend bekannt gegeben – und bis dahin sind es ja noch fünf Tage. Mit Stadtplan und Navi sollte es eigentlich kein Problem sein, Patras zu verlassen – wenn man aber einen freundlichen Mofafahrer trifft, der einem die Schleichwege zeigt, dann geht das noch schneller. Am Himmel strahlten sieben Sonnen. Gleich der erste Anstieg, hinauf auf 254 Meter – aus der Hafensenke heraus. Und genau da das bekannte Geräusch: das Handy klingelte. Das Büro – in der Bertha-von-Suttner-Schule hatte es gebrannt und die Schulleitung braucht dringend einen Termin. Aber auch das klappt. Handy weg – weiter bergauf. Und wieder bimmelt es. Ulrike ist dran – ein paar aktuelle Infos aus unserer Heimatgemeinde – viele Grüße der neuen Bürgermeisterin und weiter geht es. Wasserflaschen nachfüllen. Noch immer strahlt ein blauer Himmel über der Peloponnes. Mittagsrast in Panopoulos, schon auf Höhe 600. Das kleine Restaurant bietet uns zwar Platz an, aber einen Mittagstisch können sie nicht servieren. „Ob wir im Supermarkt einkaufen dürfen – und bei ihnen essen?“ – „Aber natürlich!“ Und so kaufen wir ein: Brot, Tomaten, Gurken, Ölsardinen, Wurst, Käse, Joghurt, Bananen, Birnen – holen unsere Taschenmesser heraus und stärken uns. Besonders nett: man hat uns sogar noch Tischdecken ausgelegt. Mit einem freundlichen Gruß und einem Trinkgeld verabschieden wir uns – und jetzt ist der Himmel auf einmal nicht mehr freundlich. Die ersten Regenspritzer liefern sich mit den Schweißperlen auf unserer Haut einen Wettkampf, den später der Regen aber eindeutig gewinnen sollte. Thomas (Johann) hat seinen ersten Platten, wir kommen zum höchsten Punkt des Tages (780 Meter) und es beginnt zu schütten. Wir stellen uns unter – Gewitter – eine halbe Stunde – es wird nicht merklich besser. Wir legen (schwere) Regenkleidung an und fahren weiter: noch 25 Kilometer – fast nur bergab. Wir sind nass bis auf die Haut – „Wie in Finnland“ ruft mit Stephan beim überholen zu. Jochen F. kennt den Wetterbericht von Freitag – und dann soll es wirklich trocken bleiben. Wir kommen nach Olympia. Die Straße existiert nicht mehr, einfach eingebrochen. Ein kleiner Fußweg gibt uns mit den Rädern die Möglichkeit, vorbeizukommen. Wir sind da. Joachim wartet auf die zweite Hälfte unserer Gruppe und dann ein fragender Blick nach unserem Hotel. „Europa“, einfach den Berg hoch. Also noch einmal hundert Höhenmeter. Auch das schaffen wir noch. „Dietrich ist platt“ – nein, natürlich nicht unser grüner Freund, der heute nur mit leichtestem Gepäck fährt, sondern sein Hinterrad. Die letzten Meter muss er schieben. Im Hotel ein freundlicher Empfang. Sofort bekomme ich ein Handtuch. Karsten und Gerhard sind natürlich schon da. Gerhard macht sich als „Wäscheeinsammler“ nützlich. Schön, dass wir auch hier unsere Shirts gewaschen bekommen – auf unserer Fahrt sind sie immer ein Hingucker, vor drei Wochen noch ungläubig – „das wollt ihr wirklich fahren?“ heute immer noch ungläubig „das seid ihr alles schon gefahren?“. So reagiert auch ein junges Pärchen aus Nürnberg, das uns kurz vor dem Hotel freundlich grüßt, und ebenso ein Ehepaar aus Mannheim, das in unserem Hotel zu Gast ist.

15. Juni 2011
von Thomas Will
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Tag 21 – Peloponnes, Telefonate und der Swimmingpool in Patras

Gestern hatte uns Theo noch in seinen Swimmingpool eingeladen (was wir leider ablehnen mussten), heute konnten wir uns auf der Dachterrasse im „Astir“ in Patras in das kühle Nass stürzen. Bevor es aber soweit war, mussten wir noch etwas arbeiten. Joachim hatte den gestrigen Abend mit einem (oder mehreren?) Ouzo bereichert und wir fühlten uns in dem kleinen griechischen Hafenort sichtlich wohl. Ein Eis und ein Blick über den Hafen – (fast) wie Urlaub. Die ersten 20 Kilometer an unserem 21sten Tag (mittlerweile sind wir bei 2.350 Kilometern) liefen einfach vor sich hin – unterbrochen nur durch drei mehr oder weniger anregende Telefongespräche aus der Heimat. Dann ging unsere Europastraße in eine fertig ausgebaute Autobahn über. 40 Kilometer glatter, bester Straßenbelag (natürlich gefördert von der EU – wie die vielen Hinweisschilder unmissverständlich belegten), und wir hatten uns schon kleine Alternativsträßchen herausgesucht. Die Frage an einen Polizisten, der gerade an dieser Wegbiegung seinen Dienst tat – wie wir am besten in Richtung Patras kommen, beantwortete dieser mit einem unmissverständlichen Handzeichen in Richtung Autobahn. Meine Antwort (auch per Handzeichen – zeigte auf unsere Räder). Mein „Gesprächspartner“ winkte ab und zeigte erneut in Richtung der grünen Hinweisschilder. Wir ließen uns nicht zwei Mal bitten – und jetzt rollte es. Nebenbei sparten wir so etwa 15 Kilometer. Leider war der Spaß nach zwei Stunden vorbei. Jetzt wurde der Straßenbelag sofort wieder rau, und viele kleine Schlaglöcher machten es schwierig, das Tempo hochzuhalten. Da kam die Mittagspause gerade recht. Souflaki mit Pommes – jeder so viel er wollte (also zwischen einem und drei Spießen – klar, wer „3“ hatte), und weiter ging es Richtung Straße von Korinth. Jetzt kamen Steigungen, die wir so nicht mehr auf dem Plan hatten (und Gegenwind). Und wieder Anrufe – diesmal aus Patras. Keinen Platz für den Bus, keinen Platz für den Anhänger – 1,5 Kilometer vom Hotel entfernt und nicht sicher – Abendessen für 24 oder 20 Personen – Abendessen um welche Zeit. Jedes Mal das Problem: auf die Schlaglöcher achten, den Gesprächspartner trotz Wind und der Geräusche der uns überholenden Autos zu verstehen, auf den Verkehr zu achten – und noch die richtigen Antworten zu geben. Und wieder das Handy. Jochen F. war angekommen. In drei Stunden sei er im Hotel (was er dann auch war) – und wir mussten noch über die Brücke bei Patras. Auf der Autospur durften wir nicht. Auf der rechten Fußgängerspur war eine Sperre, und die griechischen Arbeiter fanden den Schlüssel für das Schloss nicht. Also half man uns, die Räder zwei Mal über die Leitplanke zu heben. Dafür durften wir sie dann auf der anderen Seite heruntertragen. Jetzt noch zehn Kilometer. „Joachim ist platt“ – nicht er, sondern sein Vorderrad. Wie gut, dass gleich nebenan ein Cafe war. Wenn drei arbeiten, dann können zwölf Pause machen. Ehrensache, dass wir den drei Reparateuren den Nachmittagskaffee mitbestellten. Dann waren wir im Hotel. Der ehemalige Bürgermeister unserer Kreisstadt, Helmut Kinkel, hatte uns den Tipp gegeben – und in der Tat, wir wurden nicht enttäuscht. Wie immer die gleichen Rituale, heute nur etwas intensiver. Karl, Marga, Nico und Helga steigen aus (schade!) – also umpacken und neu organisieren. Karl wollte sofort einen leeren Kofferraum (also: alles raus), Karsten gerne unseren Bus in der Tiefgarage parken und unseren Anhänger sicher vor dem Hotel abstellen. Natürlich war beides möglich. Zu den 112,6 Radkilometern kamen noch einmal die 1,5 Kilometer Fußweg in den Hafen. Wir holten unser Gespann – Karsten lenkte es sicher durch den griechischen Verkehr, und dann rangierten wir den Anhänger direkt vor die Hoteleinfahrt. Ich erklärte dem Portier noch die große Europakarte und dann wurde umgepackt. Karstens, Jochens und Caros Räder mussten einsatzbereit gemacht werden. Nico arbeitete in der Hotelgarage weiter. Hörnchen an Carmens Lenker, einen neunen Ständer bei Rudi – „und vergesst die große Luftpumpe und den Schlüssel für die Pedalen nicht“. Irgendwann hatte es auch Nico geschafft und wollte noch eine Runde im Hotelpool drehen. Aber um 18.30 Uhr war dort Schluss – und Ausnahmen gab es keine (schade!). Nun gut, jetzt müssen wir uns neu „rütteln“. Vier gehen am Donnerstag auf die Rückreise Richtung Ancona, drei sind neu eingestiegen. Und gleich am ersten Tag geht es nach Olympia. Gerhard hat angekündigt, diese Etappe im Bus zurück zu legen. Ob ihn dabei Klaus „Maria“ begleiten muss, ist noch nicht klar, denn Gerhard hat sein Rad mit dem von Klaus abgeschlossen – nur den Schlüssel hat bisher noch keiner gefunden.

14. Juni 2011
von Thomas Will
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Tag 20 – Theo und der Swimmingpool – Begegnungen an einem Fahrradtag

Immer wenn es Alternativen gibt, kommt Unruhe auf. Wenn diese Alternativen sogar im Roadbook erscheinen, dann nehmen die Diskussionen spätestens beim Frühstück Fahrt auf. Dabei war es doch klar. Nach drei albanischen Bergetappen konnte es diesmal nur die flache Variante sein. Joachim regte noch einen „Schlenker“ durch die Altstadt von Ioannina an, und dann konnte es losgehen. Immer Richtung Süden. Wir wurden schneller und schneller. Ab Kilometer „10“ fuhren wir drei Stunden im Pulk, immer zwischen 23 und 27 Kilometer, und so kam es, dass wir bereits um kurz nach 12 Uhr in Arta waren. 78 Kilometer standen da schon auf dem Tacho. Dietrich wollte zwar vorher noch kurz anhalten, um eine Banane zu essen, Alf zeigte ihm, wie dies auch bei voller Fahrt geht -und dann brachen wir doch auseinander. Im hinteren Feld nahm man sich private Entsorgungspausen, die die Führungscrew zwangen, die Geschwindigkeit drastisch abzusenken. Unser Mittagsimbiss mitten in Arta klappte dank der tollen Sprachkenntnisse der Gastronomenfamilie hervorragend. Unsere erste Moussaka – wenn auch nur halbe Portionen wegen der Nachmittagsetappe – und dann ging es weiter. Wie kommt man aus der Stadt wieder auf die Umgehungsstraße? Man fragt. Am besten an einer roten Ampel. Bis nach Menidi waren es 22 Kilometer. Ich fragte eine junge Griechin, die mit ihrem Kleinwagen neben mir hielt. Das Fenster wurde heruntergekurbelt, ein freundlicher Blick, der Hinweis, dass es nach rechts und dann geradeaus ging waren eins und die Zeitangabe „20 Minuten“ gab es noch dazu. „With the bike?“ „No – with my car!“ Es wurde grün, und 50 Minuten später waren auch wir in Menidi. Jetzt noch ein Nachmittagskaffee. Den Kuchen hatte ich seit Arta in der Satteltasche. Im Hinterland zogen wieder dunkle Gewitterwolken auf. Tempo machen und ins Hotel oder anhalten? Unausgesprochen wurde gehalten. „Kommt hierher“ – wir kamen. Wer da rief, war Theofanis Papanicolaou, der gerade sein Kaiser-Pilsener trank. „Theo“, wie er sich uns später vorstellte, war nach eigenen Angaben Farmer – seine Visitenkarte wies ihn als Shipagent und Broker-Surveyor aus. Wie dem auch sei. Wir sollten zu seiner Farm kommen. Wir könnten uns am Swimmingpool erholen. Aber dagegen sprachen nicht nur unser Etappenziel in Amfilochia, sondern auch die Regenwolken, die immer näher kamen. Jochen B. entfesselte noch eine Debatte über die Sammlung von Kronenkorken (bei Bierflaschen) – ich bin mir nicht sicher, was Theo davon verstand – aber er stimmt ihm in allen Punkten zu. Im „Oscar“ kamen wir trocken an – also: jede Aufregung über die Kaffeepause und ihre Länge unnötig. Dafür hatte es unsere Wäsche nötig. Und siehe da: Ja, wir waschen – danke – und auch für die Räder wurde ein sicherer Platz gefunden: in der Hotellobby mussten die Möbel weichen, damit wir unsere Räder über Nacht gut – und trocken – untergebracht wussten. Und dann regnete es doch noch. Aber das konnte uns egal sein. Wir warteten einfach im Hotel den Schauer ab, um noch einen kleinen Streifzug durch das Hafenstädtchen zu unternehmen.